Ein Mann ist keine Altersvorsorge

Mein erster Beitrag für eine Blogparade „Geld und Partnerschaft“.

Für Frauen ist es empfehlenswert, sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern.
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Viele Frauen verlassen sich immer noch (zum Teil „blind“) auf ihren Mann als Einkommensquelle und Altersvorsorge. Das ist zumindest meine Erfahrung in meinen über 25 Jahren als Banker. Dies hat seine Ursache im klassischen Familienbild, der Mann geht zur Arbeit und sorgt für das Familieneinkommen, die Frau kümmert sich (zumindest ein paar Jahre) zuhause um die Kinder und das Familienheim. Hier drohen für Frauen viele finanzielle Risiken, nicht zuletzt die Altersarmut! Da in vielen Familien jedoch gar keine andere Möglichkeit besteht, als die klassische Rollenverteilung, zeige ich in diesem Beitrag viele Problemfelder dieser Konstellation auf, allerdings auch verbunden mit entsprechenden Lösungsansätzen.

Im Zeitalter der Gleichberechtigung könnte dies natürlich auch mit vertauschten Rollen stattfinden, also die Frau geht arbeiten und der Mann kümmert sich um den Haushalt und die Kinder. Nur habe ich in meiner Beraterpraxis diesen Fall nur wirklich selten erlebt. Aus diesem Grund werde ich nun vom klassischen Rollenbild schreiben. Wer mag, kann sich dies natürlich auch spiegelverkehrt vorstellen.

Daneben werde ich in diesem Artikel auch noch ein paar andere Problemfelder von (verheirateten) Paaren beschreiben, die sich ebenfalls häufig für Frauen negativ auswirken und vielen Menschen überhaupt nicht bekannt sind.

Altersarmut – die Statistik

Frauen sind häufiger als Männer von Altersarmut betroffen.
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Werfen wir zuerst einen Blick in die Statistik. Das „Statistische Bundesamt“ hat in seiner Analyse des Jahres 2015 errechnet, dass in Deutschland 18 % der Frauen ab 65 Jahren als armutsgefährdet gelten, bei den Männern im gleichen Alter waren es hingegen „nur“ knapp 15%. Als Gründe hierfür werden die geringeren Rentenansprüche für Frauen angeführt, da diese aufgrund der Kinderbetreuung weniger (bezahlte) Arbeitsjahre bzw. aufgrund von Teilzeitarbeit oder – im Vergleich zu Männern – schlechter bezahlter Arbeit nur geringere Rentenbeiträge einbezahlen konnten.

Die Begriffe „armutsgefährdet“ und „arm“ mögen auf den ersten Blick irritieren, wenn man sich überlegt, dass wir von einem reichen Land wie Deutschland sprechen. Die EU definiert die beiden Begriffe so:

  • Armutsgefährdet: maximal 60% des Medianeinkommens: 2013 waren die ca. EUR 980,00
  • Arm: maximal 40% des Medianeinkommens: 2013 waren dies ca. EUR 650,00.

Es gibt jedoch noch eine weitere Definition für „arm“. Diese wird hier auch für die Menschen verwendet, welche die Grundsicherung beziehen.

Die Probleme in der Praxis

In der Finanzplanung treten häufig die gleichen Problemfelder auf
Credit: Gerd Altmann, Pixabay

Ich stelle immer wieder drei Problemfelder fest, die vielen Menschen nicht bekannt sind bzw. einfach ignoriert werden. Diese gelten zwar für Frauen und Männer, sind aber deswegen nicht weniger relevant.

  • Ein Problem ist das so genannte „Langlebigkeitsrisiko“. Dieser Begriff hört sich im ersten Moment etwas befremdlich an. Was soll schon riskant dabei sein, lange zu leben? Im Gegenteil, eine hohe Lebenserwartung gilt ja gemeinhin als positiv. Nun, das Problem liegt ganz einfach darin, dass Sie ein langes Leben vor sich haben, Ihr Geld aber nicht ausreichen wird um den gewünschten Lebensstandard bis zum Lebensende zu finanzieren. Und sehr viele Menschen unterschätzen tatsächlich, wie alt Sie – statisch betrachtet – wahrscheinlich werden.

Ein guter Test zur Berechnung der Lebenserwartung findet sich auf der Internetseite des „Deutschen Institut für Altersvorsorge“ (dessen Internetseite übrigens generell sehr zu empfehlen ist!). Wie hoch die durchschnittliche Lebenserwartung in Ihrer Heimatregion ist, sehen Sie hier.

Natürlich können diese Tests nur eine Indikation sein. Sie zeigen jedoch, wie viele Jahre vom Beginn des Renteneintrittsalters noch bis zum Tod finanziert werden müssen. Dabei ist auch klar, dass das „Risiko“, nämlich Sie werden deutlich älter als dieser Test ergeben hat, abgesichert werden muss. Bei mir hat der Test ergeben, dass ich 79 Jahre alt werde. Allerdings besteht auch die Wahrscheinlichkeit von knapp 14%, dass ich 85 Jahre alt werde.

Diese mögliche zusätzliche Lebenszeit von sechs Jahren muss finanziell auch mit abgesichert werden. Sie denken, das ist nicht notwendig? Um es mal provokant zu formulieren: wenn Ihr Haus mit einer Wahrscheinlichkeit von 14% abbrennt, würden Sie es dann versichern? Die Frage wird wohl jeder mit einem klaren „Ja!“ beantworten. Und dies sollten Sie auch mit der (abgesicherten) Finanzierung Ihres Lebensabends tun.

Übrigens: die durchschnittliche Lebenserwartung steigt seit den 1950-Jahren kontinuierlich an. Und zwar um drei Monate pro Jahr!

  • Ein weiterer blinder Fleck von vielen Menschen ist das Ignorieren der Tatsache, dass der Besteuerungsanteil der Renten sukzessive angehoben wird, bis er im Jahr 2040 schließlich 100% erreichen wird. Sie sollten nicht erst beim Renteneintritt feststellen, dass der im Rentenbescheid ausgewiesene Betrag nicht brutto für netto ausbezahlt, sondern zuerst versteuert wird.

Wenn Sie im Jahr 2017 in Rente gehen, wird Ihre Rente mit 74% besteuert. Wenn Sie in diesem Jahr in den Ruhestand wechseln und z.B. EUR 20.000 p.a. an Rentenzahlungen erhalten, dann müssen hiervon eben 74%, = EUR 14.800 (mit Ihrem individuellen Steuersatz) versteuert werden. Natürlich gibt es hier wieder Freibeträge, die wir in diesem Rechenbeispiel der Einfachheit halber weglassen.

Beim Renteneintritt im Jahr 2020 sind dies schon 80%, bis eben für die Renteneintritte ab dem Jahr 2040 zu 100% besteuert werden. Es ist also bei der Berechnung der eigenen Rente sehr wichtig, den Steuerabzug zu berücksichtigen um zu wissen, welche Nettozahlungen Sie tatsächlich erhalten werden.

  • Früher war es im Zeitalter der hohen Zinsen nicht wirklich schwer, für das Alter vorzusorgen. Selbst Anlagen mit sehr geringem Risiko, wie z.B. Festgeldern, brachten in der Spitze bis an die 10% Zinsertrag. Die Einkommensquelle „Zins“ ist jedoch für die Sparer mittlerweile so gut wie ganz weggebrochen. Ich gehe zwar von einer leichten Erhöhung des Zinsniveaus in Deutschland aus, langfristig betrachtet wird es jedoch wahrscheinlich auf einem niedrigen Niveau verbleiben. Also deutlich schwierigere Voraussetzungen für Anleger, um für die Rente vorzusorgen.

Im Endeffekt bleibt nur die langfristig lukrativste Form der Geldanlage übrig: die Aktie. Viele Anleger meiden diese Anlageform wie der Teufel das Weihwasser. Meistens grundlos, wenn das angesparte Kapital – wie beim Aufbau der Altersvorsorge – langfristig nicht benötigt wird. Es liegt in der Natur der Aktie, dass sie schwankt und mitunter auch Rückschläge von 50% hinnehmen muss. Beim langfristigen Vermögensaufbau, mit monatlichen Sparraten, bieten diese Rückschläge jedoch auch den Vorteil, dann günstig investieren zu können.

Langfristig haben sich bislang die Rückschläge immer wieder mit Kursaufschwüngen ausgeglichen. Nach einer Statistik des „Deutschen Aktien Instituts“ gibt es bei den im DAX gebündelten größten deutschen Aktien seit 1967 keinen Zeitraum von über elf Jahren, in welchem Aktien einen Verlust erzielt haben.  Im Durchschnitt wurde sogar eine jährliche Rendite von über 6 % pro Jahr erzielt. In manchen Perioden sogar mehr als 10 % p.a. Und das sind doch gute Voraussetzungen, um mit Aktien fürs Alter vorzusorgen!

Nach dem uns diese Problemfelder nun bewusst sind wechseln wir aber wieder zurück zum eigentlichen Thema, nämlich dass ein Mann per se keine Altersvorsorge für eine Frau darstellt. Das bedeutet, dass sich die Frauen selbst um Ihre finanzielle Absicherung kümmern müssen, um nicht am Ende ihres Geldes noch zu viel Leben übrig zu haben.

Neben diesen allgemeinen Risiken im Hinblick auf die Altersvorsorge, gibt es auch noch spezifische Gefahren für Frauen, die sich finanziell nur auf den Mann verlassen (müssen):

Scheidung

Neben den emotionalen Schwierigkeiten bringt eine Scheidung oft auch noch große finanzielle Schwierigkeiten mit sich.
Credit: Mohamed Mahmoud, Pixabay

Wenn Sie darauf gesetzt haben, dass Ihr Mann Sie finanziell versorgt, tritt im Falle einer Scheidung ein gravierendes Problem auf. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland über 162.000 Ehe geschieden, das durchschnittliche Scheidungsalter der Frauen betrug dabei knapp 44 Jahre. Die Anzahl der Scheidungen ist zwar seit 15 Jahren rückläufig, trotzdem ist dieses finanzielle Risiko natürlich latent vorhanden. In ungefähr der Hälfte der Scheidungen waren auch minderjährige Kinder davon betroffen.

Für Kinder besteht natürlich die entsprechende Unterhaltspflicht. Sofern kein Kind jünger als drei Jahre alt ist, ist die Frau verpflichtet, sich wieder um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Grundsätzlich ist es für Geschiedene nicht mehr so einfach, für sich selbst (langfristig) Unterhalt von Ihrem Ex-Mann zu bekommen.

Neben dem Problem, dass der Mann als „Einkommensquelle“ durch die Scheidung wegbricht, besteht auch die Schwierigkeit, dass Frauen nach Jahren als (Teil-)Hausfrau schwieriger wieder in den Beruf einsteigen können bzw. dort nicht gut verdienen. Als Mutter ist häufig auch nur eine Teilzeittätigkeit möglich. In beiden Fällen kann aufgrund des geringeren Einkommens logischerweise weniger für die Rente angespart werden.

Man(n) spart zu wenig

Achten Sie darauf, dass Ihr Partner genügend Kapital für die Altersvorsorge zurücklegt
Credit: Andreas Lischka, Pixabay

Häufig sind immer noch die Männer die Finanzminister der Familie. Damit meine ich nicht nur, dass der Mann die finanzielle Hauptertragsquelle der Familie darstellt sondern dass er sich alleine um die Verwaltung der Finanzen kümmert. Viele Frauen interessieren sich ganz einfach nicht für Geldangelegenheiten und überlassen dies komplett ihrem Partner.

Hier kann es passieren, dass der Mann – aus welchen Gründen auch immer – (viel) zu wenig für die Altersvorsorge für sich und seine Frau anspart. Die Frau verlässt sich jedoch hierauf. Um das zu verhindern, sollten sich die Partner mindestens einmal pro Jahr zusammensetzen und dabei Kassensturz machen, z.B. in Form einer Vermögensbilanz. Im Vergleich zu den Vorjahreswerten können Sie dabei erkennen, wie stark die finanziellen Rücklagen angewachsen sind. Falls zu wenig gespart wird, müssen Sie gemeinsam Ihre Einkommensquellen bzw. Ausgaben optimieren.

Ich empfehle meinen Kunden auch grundsätzlich für alle Bankkonten Vollmachten einzurichten. So können Sie ggf. selbst über das Konto verfügen, haben in jedem Fall aber Einblick über den aktuellen Kontostand und –bewegungen. Und damit ist für Sie auch nachvollziehbar, um welchen Betrag die Rücklagen für die Altersvorsorge angestiegen sind – oder auch nicht. Sie haben in diesem Fall aber zumindest die Transparenz über die Finanzen und können auf dieser Basis mit Ihrem Partner konkret darüber sprechen.

Ein weiterer Tipp: Legen Sie einen „Notfallordner“ an. Darin sammeln Sie alle wichtigen Finanzunterlagen. Sollte – was hoffentlich nicht passiert – Ihr Mann einen Unfall oder Herzinfarkt erleiden oder plötzlich versterben, haben Sie zumindest alle Unterlagen sofort zur Hand. Diese Situationen sind natürlich extrem emotional belastend. Gut, wenn Sie dann nicht noch nach Versicherungsunterlagen oder Bankvollmachten suchen müssen.

Einkommensquelle Mann fällt weg

Ein plötzlicher Todesfall kann auch gravierende finanzielle Probleme auslösen.
Credit: Rob van der Meijden, Pixabay

Sofern der Mann den Großteil zu den Familienfinanzen beisteuert gilt es, seine Arbeitskraft und damit sein Einkommen bestmöglich zu erhalten. Dem stehen folgende Risiken gegenüber, die es abzusichern gilt:

Tod: das finanzielle Risiko des Todes ist relativ einfach mit einer Risikolebensversicherung abzusichern. Ich empfehle keine Kapitallebensversicherung abzuschließen, sondern getrennte Produkte zu kaufen. Kombinierte Produkte, wie eben eine Kapitallebensversicherung, sind zumeist teurer. Investieren Sie den Sparteil (= die Altervorsorge, die neben der Absicherung des Risikos „Tod“ in der Lebensversicherung angespart wird) lieber in einen guten Aktienfonds. Das ist günstiger und bringt langfristig deutlich mehr Rendite.

Die Versicherungssumme der Lebensversicherung sollte so hoch sein, dass auf jeden Fall alle noch vorhandenen Schulden beglichen werden können. Außerdem müssen danach noch so viele Rücklagen vorhanden sein, um Ihren gewünschten Lebensstandard einigermaßen halten können und die Ausbildung der Kinder abgesichert ist. Dies kann bei Familien mit kleinen Kindern und einer oder mehreren laufenden Baufinanzierungen gerne mal ein paar Hunderttausend Euro ausmachen.

Deshalb ist es bei der Risikolebensversicherung ratsam, dass die Frau die Versicherung abschließt (= sie ist Versicherungsnehmerin), die Beiträge bezahlt und der Mann die „versicherte Person“ ist. Diese Ausgestaltung hat den Vorteil, dass die Versicherungssumme im Todesfall des Mannes steuerfrei an die Frau ausbezahlt wird. Sofern der Mann Versicherungsnehmer ist und die Beiträge bezahlt, bekommt die Frau (als Bezugsberichtigte) zwar die Versicherungssumme ausbezahlt, diese muss jedoch der Erbschaftsteuer unterworfen werden!

Arbeitsunfähigkeit: auch die Risiken eines Unfalls oder einer schweren Krankheit gilt es beim Hauptverdiener abzusichern. Zwar springt nach sechs Wochen die Krankenkasse mit der Entgeltfortzahlung ein, jedoch ist diese häufig mit Abschlägen verbunden (z.B. werden Überstundenzuschläge oder Einmalzahlungen – wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld – dann nicht mehr bezahlt). Im schlimmsten Fall kann als Folge von Unfall oder Krankheit die aktuelle Tätigkeit nicht mehr ausgeübt oder gar nicht mehr gearbeitet werden.

Achten Sie daher darauf, dass Ihr Mann eine Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat. Als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung bietet sich auch eine so genannte „Dread Disease“-Versicherung an, zu Deutsch eine Versicherung gegen „gefürchtete schwere Krankheiten“. Dabei sind eine Reihe an Krankheiten definiert, bei deren Eintritt die Versicherung Zahlungen (während der Krankheitsdauer) leistet. Der Vorteil ist, dass diese i.d.R. günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung sind. Der Nachteil wiederum ist, dass die Zahlungen nur für einen bestimmten Zeitraum erfolgen. Daneben ist noch der Abschluss einer Pflegeversicherung dringend anzuraten, um im Pflegefall nicht auch noch die Kosten hierfür aufbringen zu müssen!

Arbeitslosigkeit: Das dritte große Risiko im Hinblick auf die Einkommensquelle „Mann“ ist der Verlust des Arbeitsplatzes. Dieses Risiko lässt sich im Vergleich zu Tod bzw. Krankheit und Unfall schwieriger absichern. Bei Krediten kann eine Arbeitslosenversicherung abgeschlossen werden. Ansonsten müssen Sie für diesen Fall genügend finanzielle Rücklagen gebildet haben, die leicht liquidierbar sind.

Elternunterhalt

Der Elternunterhalt ist ein häufig verdrängtes finanzielles Risiko.
Credit: Gerd Altmann, Pixabay

Eine weitere Gefahrenquelle für nicht oder nur gering berufstätige Frauen ist der Elternunterhalt. Sie mögen sich nun denken, dass dieses Thema nun aber wirklich nichts mit dem Modell „Mann als Finanzquelle“ zu tun. Dies kann jedoch sehr schnell der Fall sein. Dazu müssen wir zuerst einen Blick darauf werfen, wie der Elternunterhalt berechnet wird.

Der Elternunterhalt sagt gemeinhin, dass Kinder – ab einem gewissen Einkommen oder Vermögen – für Ihre Eltern zur finanziellen Sorge verpflichtet sind, wenn diese selbst nicht mehr für Ihren Unterhalt sorgen können. Diese Situation tritt ein, wenn ein – oder auch beide – Elternteil(e) im Pflegeheim untergebracht werden muss/müssen. Und das Risiko einer Pflegebedürftigkeit ist hoch: jeder zweite Mann und drei von vier Frauen werden statistisch Pflege benötigen. Die durchschnittliche Dauer des Pflegefalls beträgt bei Männern sechs und bei Frauen sieben Jahre. Bei den sehr hohen Pflegekosten (stationär sind schnell EUR 3.000 und mehr pro Monat erreicht!) ist leicht nachvollziehbar, dass die normale Rente oft zur Deckung nicht ausreicht und selbst üppige Sparrücklagen im Laufe der Zeit komplett verzehrt werden müssen.

Bevor der Staat dann für die Begleichung der Kosten einspringt prüft er, ob Kinder mittels des Elternunterhalts zur finanziellen Unterstützung herangezogen werden können. Dafür gibt es natürlich gewisse Freibeträge, so z.B. ein Selbstbehalt beim monatlichen Einkommen von EUR 1.800 bzw. EUR 3.240 bei Familien. Oder auch die eigen genutzte Immobilie sowie rund 5% des Jahreseinkommens, die zur Altersvorsorge zurückgelegt werden können. Und genau hier liegt der Knackpunkt: als nicht oder nur gering berufstätige Frau haben Sie fast kein Einkommen und demnach auch kaum freies Schonvermögen, dass beim Elternunterhalt nicht angetastet wird. Wenn Ihnen aber Ihr Mann – sei es aus steuerlichen Gründen oder zur Altersvorsorge – Vermögenswerte übertragen hat, werden diese relativ schnell als Elternunterhalt herangezogen. Ich gehe hier gezielt auf dieses Thema ein, da sich kaum jemand dieser Gefahr bewusst ist!

Steuerfalle Gemeinschaftskonto

Ebenfalls ist vielen Paaren nicht bewusst, dass Einzahlungen auf einem Gemeinschaftskonto vom Finanzamt schnell als steuerpflichtige Schenkung angesehen wird, für die natürlich Schenkungsteuer beglichen werden muss. Stellen Sie sich vor, Ihr Mann erbt einen größeren Geldbetrag und lässt diesen auf Ihr gemeinsames Girokonto überweisen.

Ich empfehle daher die Führung von getrennten Konten, um solche ungewollten und unnötigen Steuerzahlungen vermeiden zu können. Damit ist bewusst nicht gemeint, dass sich Ehepaar keine Schenkungen – z.B. zur Altersvorsorge – zukommen lassen sollen, ganz im Gegenteil. Jedoch müssen die Schenkungen in entsprechender Höhe richtig geplant werden (am besten von einem Fachmann), um von der Vermögenssubstanz möglichst viel erhalten zu können.

Vorsorgen mit der Riesterrente

Mit der Riesterrente können gerade Menschen mit geringem Einkommen aufgrund hoher Förderungen gut für die Rente vorsorgen.
Credit: USA-Reiseblogger Simon

Soweit zu den Risiken der Frauen, deren Mann der die Haupt-Finanzquelle der Familie darstellt. Es ist klar, dass Sie im Rahmen ihrer Möglichkeit selbst etwas zur eigenen Altersvorsorge beitragen sollen. Mein Favorit ist hierfür die Riesterrente.

Sie ist etwas in Verruf geraten. Ich finde das schade, denn eigentlich hat diese Rentenform Potential. Als Arbeitnehmer oder Beamter erhalten Sie durch den Staat Unterstützung beim Aufbau einer Altersvorsorge. Zum einen mit Steuervorteilen, zum anderen mit Zulagen. Deshalb hat die Riesterrente alleine schon das Potential, das Risiko der Altersarmut zu reduzieren oder sogar zu verhindern. Eine Studie des „Deutschen Instituts für Altersvorsorge“ hat ergeben, dass die Riesterrente für ein Zusatzeinkommen im Alter von 15% sorgt!

Die persönliche Zulage beträgt EUR 154,00 pro Jahr, pro Kind kommen noch einmal EUR 300,00 hinzu (für ab 2008 geborene Kinder; bei älteren Kindern beträgt die Zulage EUR 185,00). Die Kinderzulage darf jedoch nur einer der beiden Elternteile beantragen, üblicherweise die Mutter. Die Grundzulage steigt ab 2018 auf EUR 175,00 an. Wichtig ist, dass Sie 4,00 % Ihres Vorjahreseinkommens in den Riester-Vertrag eingezahlt. Zahlen Sie weniger ein, sinken die Förderbeträge anteilsmäßig. Von den Einzahlungen in den Riester-Vertrag können Sie bis zu EUR 2.100,00 von der Steuer absetzen. Dies jedoch eben bis zu maximal 4,00 % Ihres Einkommens. Die Zulagen werden hiervon allerdings auch wieder abgezogen.

Der Vorteil bei Riester-Rente liegt aufgrund der Förderung klar bei Geringverdienern. Sofern Sie mindestens EUR 5,00 pro Monat ansparen (= EUR 60,00 pro Jahr) erhalten Sie die volle Förderung.

Beispiel: Sie haben einen Minijob und verdienen EUR 450,00 pro Monat, was ein Jahreseinkommen von EUR 5.400 ausmacht. Auf diese Summe berechnet sich die notwendige Einzahlung von 4,00%, was EUR 216,00 pro Jahr bzw. EUR 18,00 pro Monat ergibt. Auf diese Sparrate erhalten Sie dann die persönliche Zulage von EUR 175,00 (ab 2018). Alleine aus dieser Zulage ergibt sich für Sie schon eine Rendite von über 81 %. Bei einem Kind erhöhen sich die Förderungen (inkl. der persönlichen Zulage) auf EUR 475,00, was wiederum eine Steigerung von über 219 % beträgt. Fairerweise muss ergänzt werden, dass die Sparrate nicht 1:1 im Spartopf landet sondern hiervon auch noch Verwaltungs- und Vertriebskosten abgezogen werden. Trotzdem rechnet sich Riester schon aufgrund der Zulage deutlich. Je mehr Sie verdienen, umso geringer fällt in der Relation die Zulage aus. Ich finde die Riesterrente jedoch ein gutes Instrument zur Altersvorsorge.

Wobei man hierbei die verschiedenen Riester-Varianten unterscheiden muss: Ich empfehle – wenn Sie noch mehr als zehn Jahre zur Rente haben – immer in Aktienfonds zu investieren. Langfristig bietet diese Anlageklasse deutlich mehr Rendite als Bausparverträge oder klassische Banksparpläne (…die sowieso kaum mehr angeboten werden…).

Immobilien

Ein Wort noch zur Altersvorsorge mit der eigenen Immobilie: Für viele Menschen ist die eigene Immobilie ein großer Traum. In emotionaler Hinsicht – als Heim für die eigene Familie – stimme ich dem voll und ganz zu. In finanzieller Hinsicht mag es besser sein, die Altersvorsorge nicht in Form der eigenen Immobilie aufzubauen. Details dazu in meinem Blog-Beitrag, da dies hier ansonsten den Umfang sprengen würde.

Schulden tilgen

Übrigens, eine sehr gute Möglichkeit sein Geld zu vermehren: zahlen Sie Ihre Schulden zurück! Den ersparten Zins bekommen Sie netto für brutto, schließlich fallen für nicht bezahlte Kreditzinsen keine Steuern an. Und diese Ersparnis haben Sie sicher! Es ist fast unmöglich, eine vergleichbare Rendite (nach Steuern) sicher an den Finanzmärkten zu generieren. Spätestens aber direkt vor dem Renteneintritt sollten Sie alle Schulden zurückgezahlt haben, denn die Raten werden Ihre Liquidität auffressen.

Nicht für die Altersvorsorge geeignet sind folgende Produkte:

  • Tagesgeldkonto: Momentan zu geringe Verzinsung, die von der Inflationsrate (Juli 2017: 1,7%) mehr als aufgefressen wird, netto wird Ihr Geld weniger wert. Das Tagesgeldkonto ist nur für Reserve geeignet (dreifaches Monatsgehalt).
  • Bausparvertrag: Ähnlich wie das Tagesgeldkonto bringt der Bausparvertrag zu wenig Rendite. Dazu kostet er noch ca. 1,00 % Abschlussprovision, worüber sich nur der Vertriebsmitarbeiter freut. Und günstige Baufinanzierungen können Sie momentan auch ohne Bausparer abschließen.
  • Klassische Rentenversicherung: im Vergleich zur Riesterrente ohne staatliche Förderung, dafür mit sehr hohen Vertriebskosten.
  • Klassische (Kapital-)Lebensversicherung: das Produkt ist ein Auslaufmodell, damit ist kaum noch Rendite zu erzielen. Wenn Sie das Risiko des Ablebens des Hauptverdieners absichern wollen: schließen Sie eine Risiko-LV ab.

Also liebe Frauen, auch wenn es Ihnen schwer fällt, setzen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Mann mit den Finanzen auseinander und haben Sie zumindest einen groben Überblick über die Haushaltskasse und Altersvorsorge. Sofern Sie die Möglichkeit haben, sparen Sie selbst etwas für Ihre Altersvorsorge an: mit der Riesterrente geht dies bereits ab EUR 5,00 pro Monat und Sie erhalten noch staatliche Förderungen! Sich ausschließlich finanziell auf Ihren Partner zu verlassen ist im Jahr 2017 nicht mehr empfehlenswert.