Anleihen

Anleihen bringen heute kaum noch Rendite

Früher waren Anleihen sehr attraktiv verzinst

Festverzinsliche Wertpapiere waren lange Jahre der Liebling aller sicherheitsorientierten Anleger. Das Prinzip war auch denkbar einfach: einem Schuldner wurde mittels des Rentenpapiers Geld geliehen, dafür gab es in regelmäßigen Abständen, zumeist einmal pro Jahr, eine fest vereinbarte Zinszahlung auf das Konto gutgeschrieben. Abhängig vom gerade steigenden oder fallenden Zinsniveau konnte sich der Kurs auch verändern, die Rückzahlung zu 100% des Nennwerts war jedoch garantiert. Es sei denn, der Schuldner wurde zahlungsunfähig, was bei deutschen Staatsanleihen oder Pfandbriefen großer Banken so gut wie nicht vorstellbar war.

Selbst wenn vor dem Laufzeitende die Anlagesumme benötigt wurde konnte die Anleihe zumeist ohne große Probleme über die Börse vorzeitig verkauft werden. Nach der Fälligkeit wurde einfach eine neue Anleihe erworben, wodurch ein rollierendes System ohne großen Arbeitsaufwand entstand.

Qualität des Schuldners ist wichtig

Doch seit der Finanzkrise vor zehn Jahren hat sich das System stark gewandelt. Die früher so sicher geglaubten Rentenpapiere wurden auf einmal unsicher. Zahlungsausfälle wie bei der Hypo-Real-Estate oder dem griechischen Staat sind wohl den meisten Anlegern noch in Erinnerung. Achten Sie daher unbedingt auf das „Rating“ der Anleihe. Es ist sozusagen das Qualitätsmerkmal des Schuldners. Zwei große Gesellschaften – „Moodys“ und „Standard and Poor’s“ (S&P) – sind die bekanntesten Ratingagenturen. Sie vergeben die Ratings, die eben Auskunft über die Zahlungsqualität.

Falls Sie sich zu einem Kauf von Anleihen entscheiden, sollten Sie nur in Papiere mit A-Ratings investieren, maximal mit BBB- bzw. Baa-Ratings. Da Sie womöglich die Zinszahlungen zur Finanzierung der Lebenshaltung verwenden, sollten Sie kein unnötiges Risiko eingehen. Allemal, wo die Zinsen im Bereich mit schlechterer Bonität nur geringfügig höher sind.

Niedrigzins-Niveau macht Anleihen unattraktiver

Hinzu kommt, dass seit der Finanzkrise stark gesunkene Zinsniveau, das durch Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank weiter niedrig gehalten wird, wenn auch nur noch zeitlich begrenzt. Früher für unvorstellbar gehalten ist es mittlerweile Realität geworden, dass bei Anleihen guter Schuldner mit kurzen Laufzeiten negative Rendite bezahlt werden.

So trifft dies auch auf die deutschen Bundesanleihen zu. Hier müssen Sie mindesten in eine sechsjährige Laufzeit investieren, um – vor Spesen – eine neutrale Rendite zu erwirtschaften. Selbst wenn Sie die Bundesanleihe mit der längsten Laufzeit (bis 2048) erwerben, bekommen Sie nur knapp 0,7%, Steuern und Gebühren nicht mitgerechnet (Stand 23.04.19). Nach Abzug der Inflationsrate verbleibt ein Realverlust der Kaufkraft. Und dies, aufgrund der langen Laufzeit, verbunden mit einem hohen Kursrisiko. Selbst wenn das Zinsniveau um 1,0% ansteigen sollte würde dies einen Kursrückgang von ca. 30% bedeuten. Vorsicht ist also geboten, wenn Ihnen ein Berater eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn oder mehr Jahren verkaufen will, auch wenn die Rendite attraktiver erscheint.

Das Zinsniveau in Europa sollte niedrig bleiben

Es ist unwahrscheinlich, dass die Zinsen in Europa stark ansteigen

Nachhaltige Zinserhöhung in nächster Zeit unwahrscheinlich

Ich gehe davon aus, dass das Euro-Zinsniveau – wenn überhaupt – nur leicht ansteigen wird. Um wieder das Beispiel der Bundesanleihen zu bedienen halte ich eine Steigerung bei den 10jährigen Laufzeiten von aktuell knapp 0,2% auf knapp 1,0% bis 2020 oder 2021 für möglich. Früher übliche Zinsen in diesem Segment von 5,0% oder mehr halte ich auf Sicht der nächsten Jahre jedoch für ausgeschlossen.

Grund hierfür ist schon alleine die wirtschaftliche Situation der südeuropäischen Staaten. Müssten diese für ihre Schulden 4,0% oder mehr an Zinsen bezahlen, würde dies die eh schon knappen Haushaltskassen deutlich überfordern. Die Griechenland-Pleite ist vor diesem Hintergrund noch gut in Erinnerung. Nur haben Spanien mit 47 Millionen und Italien mit 61 Millionen Einwohnern, deutliche größere Volkswirtschaften als das kleine Griechenland, das mit knapp elf Millionen Einwohnern weniger Einwohner als der Freistaat Bayern aufweist.

Eine vergleichbare Rettungsaktion wie für die Hellenische Republik wäre definitiv nicht machbar. Hinzu kommt, dass auch solvente Staaten wie Deutschland nachhaltiges Interesse an niedrigen Zinsen haben: sie können durch die Inflationsrate ohne Weiteres ihre Schuldenlast reduzieren. Sie sehen: niedrige Zinssatz – der Staaten Freud, des Sparers Leid.

Auf gute Verkauf-Möglichkeiten achten

Wichtig ist darauf zu achten, wie gut die Anleihen liquidierbar, also zu verkaufen sind. Hier ist das Emissionsvolumen entscheidend, sprich welchen Gesamtbetrag sich der Schuldner mit dieser Anleihe am Kapitalmarkt besorgt hat. Bei Anleihe mit geringem Volumen wird entsprechend wenig gehandelt. Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs wird „Spread“ genannt. Er kann auch als Aufschlag gesehen werden, der Ihre Rendite mindert. Der Spread sollte nicht größer als 0,5% sein, keinesfalls aber über 1,0%. Sie verlieren ansonsten zu viel an Ertrag, der bei Anleihen momentan ohnehin schon gering ist (vergessen Sie auch die Kaufgebühren bei der Bank nicht).

Eine besondere Kategorie stellen „Nachranganleihen“ dar. Sie bieten im Vergleich zu klassischen Rentenpapieren deutlich höhere Rendite. Dies hängt damit zusammen, dass diese Titel im Falle von Zahlungsschwierigkeiten nachrangig bedient werden. Wenn wirtschaftliche Probleme beim Schuldner auftreten riskieren Sie, dass Sie Zinszahlungen später oder gar nicht erhalten. Sogar der Gesamtbetrag kann in der Rückzahlung gemindert werden oder im Extremfall komplett ausfallen. An die Kategorie der Nachranganleihen sollten sich deshalb nur Menschen mit profunden Fachkenntnissen heranwagen.

Bei Anleihen von Bank Banken gilt es auch eine Besonderheit zu beachten: der Gesetzgeber will verhindern, dass im Falle von Zahlungsschwierigkeiten eines Kreditinstituts die Allgemeinheit – wir Steuerzahler – in die Haftung genommen werden. Bevor dieser Fall eintritt müssen auch Darlehensgeber (und das sind eben Sie als Besitzer von Anleihen) ihren Teil dazu beitragen, dass die Bank nicht noch weiter in eine Schieflage gerät. Auch hier kann es zu Zahlungsausfällen kommen.

Fremdwährungen schwanken mitunter sehr stark im Wert

Anleihen in Fremdwährung bieten oft höhere Zinsen als Euro-Anleihen

Vorsicht bei Anleihen in Fremdwährung

Mein Rat ist auch, von Fremdwährungsanleihen Abstand zu nehmen. So mancher Anleihen-Investor wird momentan etwas neidisch in die USA blicken. Das dortige Zinsniveau ist gut 2,0% höher als im Euroraum. Im Bereich der zehnjährigen Anleihen lassen sich damit Renditen von durchaus 3,0% erzielen – aber eben auf Basis des US-Dollars. Der Kurs von Fremdwährungen schwankt mitunter stark und wird von der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Wirtschaftsraums beeinflusst. Die Prognosen dazu haben sehr unterschiedliche Qualität, für Privatanleger ist die Kursentwicklung daher fast nicht abzusehen. Und ein Renditeaufschlag von 2,0% pro Jahr (wie im Falle des US-Dollars), ist durch kurzfristige Wertschwankungen der Währung innerhalb weniger Tage vernichtet.

Der einzige Punkt, an dem ich zur gezielten Investition in Fremdwährungen rate, ist die geopolitische Risikostreuung. Wenn Sie die Meinung vertreten, der Euro wird abgeschafft müssen Sie natürlich entsprechende Vorsorge durch gezieltes Kaufen von US-Dollar, Schweizer Franken oder auch der norwegischen Krone treffen. Grundsätzlich rate ich von Käufen in Währungen mit wirtschaftlich unsicherer Lage ab. Der rapide Verfall der türkischen Lira (-60% in den Jahren 2015 bis 2017) sei hier als mahnendes Beispiel genannt.

Mahnendes Beispiel Mittelstands-Anleihen

Manche Anleger glaubten vor einigen Jahren schon, mit „Mittelstandsanleihen“ ein interessantes Marktsegment entdeckt zu haben, wobei wieder mit einer Rendite jenseits der 5%-Marke investiert werden kann. Schuldner wie Prokon, KTG Agrar oder auch Air Berlin waren bei Anleihen-Käufern groß in Mode, nicht zuletzt dank deren starken Werbeaktivitäten für ihre Finanzprodukte. Auch die deutschen Börsen fanden Gefallen und entwickelten eigene Marktsegmente.

Für einen Privatanleger ist es schwer nachzuvollziehen, wie solide ein solches Unternehmen tatsächlich wirtschaftet. Bilanzkosmetik und Marketing kaschieren relativ einfach wirtschaftliche Schieflagen und es bedarf schon umfassender Erfahrung in der Bilanzanalyse um die tatsächliche Finanzsituation des Schuldners beurteilen zu können. Sie müssen sich den Grundsatz vor Augen halten: hohe Rendite = hohes Risiko. Aus welchem Grund sollte ein Unternehmen den aufwändigen Weg an die Börse antreten, wofür auch Gebühren in Höhe von bis zu 5% des gesamten Anleihevolumens an Banken, Wirtschaftsprüfer oder Ratinggesellschaften zu bezahlen sind, wenn über die Hausbank schnell, einfach, diskret und vor allem deutlich günstiger ein Kredit aufgenommen werden kann?

Und seien Sie wachsam, wenn Sie geschickte Marketingprofis glauben lassen wollen, dass die Investition eine bestimmte Anleihen-Emission besonders empfehlenswert sein soll. Ein bisschen Vermarktung ist vollkommen legitim, gute Finanzprodukte finden aber auch ohne große Werbung ihre Käufer. Banken versuchen Anleger damit zu locken, dass sie die Verwaltung ihres Anlagevermögens übernehmen und zeigen auf, in den letzten fünf Jahren mit Anleihen guter Schuldner eine Rendite von 5,0% p.a. erwirtschaftet zu haben. Dies entspricht auch der Realität, ist jedoch den Kursgewinnen aufgrund des stark gefallenen Zinsniveaus zuzuschreiben.

Sofern Sie nicht davon ausgehen, dass die Zinsen noch deutlich weiter nach unten fallen, kann sich dies aber nicht wiederholen. Im Gegenteil, bei steigenden Zinsen bringen solche Anlagestrategien Kursverluste mit sich, die nicht durch die geringen Zinszahlungen ausgeglichen werden können.

Anleihen bieten Vorteile

Die geringe Rendite spricht gegen Anleihen

Lohnen sich Anleihen überhaupt noch?

Nun, es sprechen einige Punkte dagegen:

  • Bei Qualitätsschuldnern werden in bei Laufzeiten von unter fünf Jahren meist Negativrenditen erzielt.
  • Anleihen von Schuldnern mit schlechterer Bonität bieten zwar etwas mehr Zinsen, dieser leichte Zinsvorteil wiegt aber zumeist nicht das Risiko auf.
  • Bei von Banken oder Fondsgesellschaften verwalteten Rentenprodukten fällt dazu noch eine laufende Managementgebühr von nicht selten 1,0% oder mehr an, was die eh schon geringe Rendite komplett auffrisst, wenn nicht sogar ins Negative dreht.
  • Anleihen in Fremdwährungen bieten zwar einen Zinsvorteil von ein bis zwei Prozent. Dieser Vorteil ist jedoch bereits bei geringen Währungsverlusten schnell verloren.
  • Tagesgelder einiger Anbieter bieten höhere Zinsen als Anleihen. Sie sind täglich fällig, schwanken nicht und sind – je nach Bonität der Bank – sehr sicher.

Was spricht für Anleihen?

Sollten Anleihen also ganz aus der Ruhestandsplanung verbannt werden? Ich finde nein, aber es muss nach guten Lösungen gesucht werden. Denn die Rentenpapiere bieten an und für sich viele Vorteile, die andere Finanzprodukte so nicht bieten können:

  • Viele Anleihen können als sehr sichere Anlage bezeichnet werden, bei sehr guten Schuldnern ist das Ausfallrisiko äußerst gering.
  • Die Planbarkeit ist gut: die Höhe der Zinszahlungen sowie der Zins- und Tilgungstermin stehen fest und eignen sich daher sehr gut für die Finanzplanung.
  • Der Markt ist transparent und leicht vergleichbar. Privatanleger können sich leicht das Wissen aneignen, um passende Anleihen selbst auszuwählen und damit Kosten in der Beratung zu sparen.
Achten Sie beim Anleihen-Kauf auf günstige Bankgebühren

Hohe Bankgebühren können die geringen Anleihen-Zinsen ganz auffressen

Bankgebühren berücksichtigen

Wenn Sie sich zu Anleihen beraten lassen möchten, ist der Gang zum Bank- oder Finanzberater natürlich ein einfacher, aber auch kostenpflichtiger Weg. Es ist nicht unüblich, dass der Berater für den Kauf der Anleihe 0,5% Gebühr verrechnet, die bei einem vorzeitigen Verkauf nochmals anfallen. Manche Banken verrechnen noch eine Tilgungsgebühr, die bei der Fälligkeit der Anleihe in Rechnung gestellt wird. Sofern eine Depotgebühr anfällt, mindert auch sie den bei den meisten Anleihen ohnehin schon geringen Ertrag. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass Sie sich selbst schlau machen, welche Anleihen momentan eine interessante Anlagemöglichkeit darstellt. Im Internet gibt es verschiedene Portale, mit Hilfe derer die Recherche nicht allzu schwierig ist (z.B. www.bondboard.de, ein Angebot der Baaderbank).

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