Bankvollmacht

Eine Bankvollmacht ist an und für sich ein recht einfaches, aber auch sehr nützliches Instrument um eine Vertretungsregelung für Konten und Depots einzurichten. Der Bevollmächtigte hat dabei fast die gleichen Möglichkeiten wie der Konto- oder Depotinhaber. Er kann Überweisungen auf andere Bankkonten tätigen, Geld abheben oder Wertpapiere kaufen und verkaufen. Nicht möglich sind die Auflösung des Kontos oder Depots, die Eröffnung bzw. der Neuabschluss von anderen Produkten oder die Einsetzung von weiteren Bevollmächtigten. Und trotzdem gibt es nicht wenige Bankkunden, die sich nicht dieser Vollmacht bedienen. Dabei sollte bei sollte bei allen Konten und Depots eine Vollmacht eingerichtet sein.

Bei Girokonten, um im Vertretungsfall überprüfen zu können, ob Lastschriften zurecht eingezogen wurden. Oder um Rechnungen zu begleichen. Auch bei Depots ist dies empfehlenswert, um bei Bedarf Wertpapiere verkaufen zu können, um wieder Liquidität zur Verfügung zu stellen. Besonders wichtig ist eine Vollmacht, wenn Sie spekulative Titel halten. Stellen Sie sich vor was passiert, wenn sich eine Aktie in Ihrem Depot befindet, die Kurse stark fallen und Sie aufgrund plötzlicher schwerer Krankheit oder eines Unfalls nicht handlungsfähig sind. Aus diesem Grund sollte auch mit dem Bevollmächtigten abgesprochen sein, was in einem solche Fall zu tun ist.

In Deutschland werden transmortale Vollmachten vergeben – diese gelten auch über den Tod hinaus. Postmortale Vollmachten – die ihre Gültigkeit erst nach dem Tod erlangen – kommen selten vor. Ebenso spielen in der Praxis Vollmachten kaum eine Rolle, die nur bis zum Tod des Kontoinhabers gelten. Die Bank müsste bei jeder Verfügung durch den Bevollmächtigten prüfen, ob der Kontoinhaber noch lebt – ein schwieriges und aufwändiges Unterfangen mit hohem Haftungsrisiko für das Kreditinstitut. Eine Wertpapiervollmacht schränkt den Bevollmächtigten in seinen Möglichkeiten ein. Er kann Wertpapiere kaufen und verkaufen, allerdings keine Gelder zu anderen Banken übertragen oder abheben.

Es ist nicht möglich, spekulativere Wertpapiere zu kaufen, als Sie dies selbst der Bank vorgegeben haben. Umgekehrt ist es ebenfalls nicht machbar, dass der Bevollmächtigte Wertpapiere kauft, deren Risiko er nicht eingehen möchte bzw. mit welche er bislang keine Erfahrung gesammelt hat. Letzteres könnte die Bank noch ändern, wenn Sie den Kunden entsprechend berät, und er somit das notwendige Wissen erlangt. Im Falle einer gerichtlich angeordneten Betreuung erlangt der Betreuer automatisch Vollmacht, es ist nicht notwendig, ihm diese zusätzlich einzurichten. Es kann vorkommen, dass eine Bank eine Vorsorgevollmacht nicht akzeptiert (insbesondere bei nicht notariell erstellten Vollmachten), sondern auf eine direkt bei der Bank eingerichtete Vollmacht bestehen. Dies mag aus Ihrer Sicht nun Unsinn sein, aus Sicht des Bankers stellt sich der Sachverhalt aber anders dar.

Vorsorgevollmachten sind oft schon ein paar Jahre alt. Woher soll der Bankangestellte wissen, dass diese nicht mittlerweile wiederrufen ist? Deshalb kann eine Vorsorgevollmacht hinsichtlich ihrer Gültigkeit hinterfragt und mit dem Hinweis auf eine nicht vorhandene Bankvollmacht abgelehnt werden. Natürlich können Sie dagegen klagen und von einem Gericht die Gültigkeit der Vorsorgevollmacht bestätigen lassen. Dies dauert jedoch mitunter lange. In dieser Zeit haben Sie keine Möglichkeit, auf das Konto zuzugreifen.

Sie sollten die Bankvollmacht also zusätzlich zur Vorsorgevollmacht einrichten. Ich empfehle auch, hierfür die Formulare der Bank zu verwenden. Wenn Sie eine eigene Bankvollmacht formulieren, kann es sein, dass Sie – zumindest aus Sicht der Bank – wichtige Inhalte vergessen haben und die Bank die Vollmacht daher nicht akzeptiert.

Auf keinen Fall sollte der Bevollmächtigte Ihr Konto dazu benutzen, um eigene Bankgeschäfte darüber abzuwickeln. Bei der Kontoeröffnung müssen Sie gegenüber der Bank erklären, ob Sie auf eigene oder fremde Rechnung handeln, sprich ob das Geld Ihnen oder einer dritten Person gehört. Die meisten Banken werden den letzteren Fall gar nicht erst akzeptieren, außer es liegt z.B. ein Treuhandkonto vor. Sollte der Bevollmächtigte nun z.B. Geld auf Ihr Konto bar einzahlen und dann damit eine auf ihn lautende Rechnung bezahlen, löst dies in der Bank Geldwäscheverdacht aus, was mit entsprechenden negativen Konsequenzen für Kontoinhaber und Bevollmächtigten verbunden sein kann.

Ebenfalls sollte Ihr Konto auf keinen Fall dazu missbraucht werden, dass der Bevollmächtigte sein Vermögen darüber anlegt, um ggf. Steuern auf Kapitalerträge zu reduzieren bzw. ganz zu umgehen oder auch eigene Vermögenswerte zu verschleiern um Unterhaltsverpflichten oder Pfändungen und Vollstreckungen zu verhindern.

Ein Hinweis noch zu Konten und Depots bei ausländischen Banken. Erkundigen Sie sich genau nach den dort gültigen Bestimmungen – nach rechtlichen Vorgaben und bankinternen Regelungen. Diese können von den in Deutschland üblichen Vollmachten abweichen. Auf deutsche Kunden spezialisierte ausländische Banken bieten auch Zusatzvereinbarung an, die im Fall des Todes des Kontoinhabers die Abwicklung erleichtern.

Das Kreditinstitut kann dadurch z.B. das Eröffnungsprotokoll des deutschen Nachlassgerichts (inkl. Testament) akzeptieren und damit auf die Ausstellung eines ansonsten notwendigen europäischen Nachlasszeugnisses verzichten. Hierdurch können die Erben Zeit und Geld sparen. Fragen Sie bei Ihrer Bank nach, welche Services angeboten werden.

Mai 26, 2019

Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.