Bausparvertrag

Bausparverträge sind aktuell keine gute Geldanlage

Ein Bausparvertrag bietet nur geringe Guthaben-Zinsen

Ähnlich wie ein Sparbuch hat auch der Bausparvertrag seine beste Zeit hinter sich. Früher war die Kombination von einem, zum Teil durchaus ordentlich, verzinsten Ansparplan mit der anschließenden Option eines Darlehens für „wohnbauliche Zwecke“ nicht unattraktiv. Für reine Geldanleger gab es sogar Tarife, die mit einer besseren Gutenhabenverzinsung ausgestattet waren.

Auch wir Banker haben das Produkt geliebt. Ich erinnere mich noch gut an meine Lehrzeit zu Beginn der 90er Jahre. Wir Azubis durften Kunden anrufen, bei denen ein Bausparvertrag kurz vor Fälligkeit stand und von einer Wiederanlage in den nächsten Bausparer überzeugen. Das war relativ einfach, die Kunden mochten das Produkt und es war leicht zu erklären. Wenn man als Azubi noch in der richtigen Bank gearbeitet hat, gab es obendrauf noch etwas von der Abschlussprovision ab.

Ein Bausparvertrag bringt nur geringe Rendite

Das Produkt hat im Niedrigzinsumfeld seinen Charme verloren: Die Guthabenverzinsung ist mickrig, zusätzlich sind Abschlussprovisionen und manchmal auch Kontoführungsgebühren fällig, welche die Rendite weiter gegen Null, wenn nicht sogar ins Minus drücken. Für Geringverdiener kann noch die Arbeitnehmersparzulage bzw. Wohnungsbauprämie beantragt werden.

Natürlich bietet der Bausparvertrag noch ein durchaus attraktives Darlehen in seiner „zweiten Lebensphase“. Nur wozu noch dieses Produkt abschließen, wenn bereits klassischen Bank- oder Versicherungsdarlehen mit ähnlich günstigen Zinssätzen zu haben sind, die entsprechende Bonität des Antragstellers vorausgesetzt. Hinzu kommt die Problematik, dass Ruheständler aufgrund des Wohnbauförderungsgesetzes kaum mehr eine Chance haben, ein Darlehen aufzunehmen.

Gewiefte Verkäufer von Bausparvertrag-Produkten argumentieren in letzter Zeit verstärkt damit, sich den aktuell noch niedrigen Zins langfristig zu sichern bzw. einem Zinsanstieg vorzubauen. Nur dieses Argument greift für mich nicht. Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Zins in der Eurozone in den nächsten Jahren nennenswert erhöht.  Ebenfalls gegen den Bausparvertrag spricht die – verglichen mit anderen Anlageklassen – deutlich schlechtere Verfügbarkeit. Die Anlagesumme ist vertraglich für meistens sechs Jahre (zzgl. einem Jahr Ruhephase) festgebunden. Zwar besteht die Möglichkeit einer vorzeitigen Kündigung, die jedoch wiederum mit Kosten verbunden ist und durchaus ein paar Monate in Anspruch nehmen kann.

Alte Bausparverträge mit hoher Verzinsung behalten

Sollten Sie jedoch noch im Besitz eines „alten“ Vertrags mit hoher Habenverzinsung sein, so ist empfehlenswert diesen so lange als möglich zu behalten. Leider gingen viele Bausparkassen mittlerweile dazu über, diese Altverträge zu kündigen, um sich die hohen Zinszahlungen zu sparen. Dieses Verhalten lässt sich auch aus Sicht der Bausparkasse nachvollziehen, so ärgerlich das für die Anleger sein mag.

Momentan befinden sich ungefähr 170 Milliarden Euro an Einlagen auf den Bausparverträgen. Dagegen wurden nur 12 Milliarden Euro ausgeliehen. In der Vergangenheit war dieses Verhältnis wesentlich ausgeglichener. Sprich, die Bausparkassen bezahlten mit den Einnahmen aus dem Kreditgeschäft die zum Teil durchaus ansehnlichen Guthabenzinsen. Da jedoch mit der Zinsspanne aus Krediten kaum mehr etwas verdient wird sind die Kreditinstitute fast schon gezwungen, sich von den hoch verzinslichen Sparverträgen zu trennen.

Behalten wir den Bausparvertrag also in guter Erinnerung – vielleicht erlebt er ja irgendwann in ferner Zukunft bei steigenden Zinsen seine Renaissance. Solange sollten Sie ihn bei Geldanlage unberücksichtigt lassen.

ProduktnameBewertungAnmerkungen
Fazit: Bausparverträge haben in der Geldanlage von Ruheständlern nichts mehr verloren
VolatilitätEs entstehen keine Wert-schwankungen
Sicherheit---Abhängig vom Anbieter
RenditeÄhnlich schlecht wie bei Sparprodukten
LiquiditätEingeschränkt, während der sechs- bzw. siebenjährigen Laufzeit nur bedingt möglich
Kosten1% Abschlusskosten und Kontoführungsgebühren schmälern den Mini-Ertrag noch weiter
ÜbertragbarkeitKeine Probleme
AufwandNach einmaligem Abschluss entsteht kein Aufwand mehr
VerständlichkeitNicht ganz so einfach wie Sparprodukte oder Tagesgeld und Festgeld

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April 23, 2019

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