Berater für Nachfolgeplanung

Im Ruhestand gewinnt die Planung der Vermögensnachfolge an Bedeutung. Diese Materie ist sehr komplex. Für einen Laien ist es nahezu unmöglich, sich das notwendige Wissen aus Fachbüchern oder dem Internet anzueignen und diesen Prozess eigenständig durchzuführen. Daher stellt sich die Frage, welcher Spezialist der richtige ist, um diesen anspruchsvollen Prozess zu begleiten.

Viele Menschen denken bei der Suche nach dem richtigen Berater für die Nachfolgeplanung ihres Vermögens zuerst an einen Notar. Dies hat auch seinen guten Grund, die Zulassungsvoraussetzungen für einen Notar sind streng, Notare müssen in vielen Feldern der Rechtswissenschaften Kompetenzen aufweisen. Sie üben ein unabhängiges öffentliches Amt aus und gelten als Vertrauenspersonen. Aber auch bei den Notaren gibt es unterschiedliche Schwerpunkte: Dies können das Grundbuch- und Liegenschaftsrecht, Handelsrecht, Unternehmensverkäufe oder eben das Erbrecht sein.

Es kann daher durchaus vorkommen, dass ein Notar – der seinen Schwerpunkt nicht im Erbrecht hat – sich bei der Erstellung eines Testaments entsprechenden Vorlagen oder Textbausteinen bedient. Diese Vorgehensweise könnte dazu führen, dass der Wille des Testierenden nicht zu 100% umgesetzt wird. Auch andere, mit der Nachfolgeplanung verflochtene Kompetenzbereiche, z.B. Pflege, Wohnsituation oder Vermögensanlage, müssen nicht zwangsläufig im Fokus des Notars stehen.

Der Notar ist daher ein wichtiger Partner im „Generationenmanagement“, aber eben nicht der einzige. Ebenfalls empfehlenswert sind Fachanwälte für Erbrecht, die durch diese Spezialisierung manchmal mehr Praxisbezug als Notare haben. Gerade Testamente zu komplexen Erbschaften werden durch diese spezialisierten Juristen kompetent und umfassend aufgesetzt. Auch die Testamentsvollstreckung ist bei Anwälten möglich, die sich zusätzlich in diesem Bereich weitergebildet haben.

Ebenfalls große Bedeutung haben die Steuern, die natürlich auf ein Minimum reduziert werden sollen. Für diese Berechnung benötigen Sie einen Steuerberater, insbesondere wenn Unternehmen übertragen werden sollen oder Sie Vermögenswerte im Ausland besitzen. Auch hier gilt es zu klären, ob der Steuerberater seinen Schwerpunkt in der Nachlassplanung hat oder ob er sich auf einen anderen Themenbereich fokussiert. Ein Spezialist wird wahrscheinlich auch Kenntnisse in der Vermögensanlage aufweisen. Themen wie Pflege oder Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit werden hingegen wahrscheinlich seltener von Steuerberatern abgedeckt werden.

Eher untypisch ist, dass sich Menschen bei Fragen zur Nachfolgeplanung an ihre Bank wenden. Dort wird oft nicht die umfassende Kompetenz zu dieser Thematik vermutet. Sofern in Ihrer Bank jedoch spezialisierte Generationen- oder Nachfolgeplaner beschäftigt sind, kann dies eine gute Lösung für Sie sein. Nachteilig ist, dass der Banker Sie – selbst wenn er das notwendige Fachwissen hierzu hat – nicht in rechtlichen oder steuerlichen Punkten beraten darf. Dies ist gesetzlich nur ausgebildeten Juristen oder Steuerberatern vorbehalten.

Wichtig ist, einen kompetenten Berater zu finden, der die Klaviatur des gesamten Themenbereichs beherrscht. Das fängt bei der Patientenverfügung oder Generalvollmacht an: viele Bank- oder auch Versicherungsangestellte kennen sich nicht mit dieser Materie aus. Erst recht bei der Planung des Vermögensübergangs wird die Komplexität für die meisten zu hoch. Noch dazu sollte diese Vertrauensperson grundsätzlich in der Vermögensanlage sowie der Finanzplanung zuhause sein.

Sie erkennen einen gut ausgebildeten Vermögensnachfolgeplaner an Zusatzausbildungen wie „Generationenmanager“ oder „Estate Planner“. Leider tauchen wieder hier englische Begrifflichkeiten auf, die nur wenige Privatpersonen übersetzen bzw. einordnen können, aber die offizielle Bezeichnung ist nun einmal so. Der Generationenmanager kümmert sich um die Nachfolgeplanung bei Privatpersonen, der Estate Planner kann zusätzlich auch die Übertragung von unternehmerischen Beteiligungen begleiten sowie bei Stiftungsfragen beraten.

Erkundigen Sie sich daher vorher, ob Ihr angedachter Notar, Steuerberater oder Rechtsanwalt auch mit dieser Materie vertraut ist. In der Praxis stelle ich immer wieder fest, dass eben nicht jeder Angehörige dieser Berufsgruppen komplexere Erbschaftsplanungen umfassend richtig behandeln kann. Oftmals liegen die Schwerpunkte auf anderen Fachgebieten. Fragen Sie deshalb auch Ihren Vermögensberater nach Empfehlungen für Testament-Profis.

Mai 15, 2019

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