Edelmetalle

Edelmetalle in Vermögensstrategie beimischen

Edelmetalle wie Silber sind eine interessante Anlagemöglichkeit

Silber zählt zu den beliebtesten Edelmetallen

Edelmetalle haben den Vorteil, dass Sie zumeist eine unterschiedliche Kursentwicklung zu anderen Anlageklassen haben. Im Banken-Deutsch wird das auch „negative Korrelation“ genannt. Gerade in Krisenzeiten gelten Sie als “sicherer Hafen” und steigen dann an, so z.B. Gold nach der Finanzkrise 2008 oder auch bei den Unruhen um Nordkorea.

Sie gehören deshalb als Beimischung in jede gute Vermögensstruktur. Die Betonung liegt hier auf Beimischung, mehr als 10% des Gesamtvermögens in Edelmetallen zu investieren halte ich nicht für sinnvoll. Größere Bestände aufzubauen ist dagegen nicht empfehlenswert. Eine Ausnahme wäre, wenn Sie von einer kommenden Krisensituation ausgehen. Also z.B. ein Krieg, Hyperinflation oder auch ein Währungscrash im Euro.

Versicherung in Krisenphasen

Ich vergleiche Edelmetalle gerne mit einer Versicherung. Sie kaufen Edelmetalle vor dem Hintergrund, dass Krisen an den Finanzmärkten auftreten könnten. Tritt dieses Ereignis ein, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Kurs der Edelmetalle steigt. Im Umkehrschluss verzichten Sie auf Erträge aus der Anlage, wie z.B. Zinsen oder Dividenden. Dieser Verzicht ist quasi eine Versicherungsprämie.

Zum Vergleich: Wenn Sie eine Risikolebensversicherung abschließen, versichern Sie Ihr Leben. Sie bezahlen Prämien an die Versicherung, im Falle Ihres Todes erhalten Ihre Angehörigen die Versicherungssumme ausbezahlt. Falls Sie nicht sterben, sind die Prämien verloren, aber Sie selbst sind Ihrer Familie – rein betriebswirtschaftlich gesehen – als Einkommensquelle erhalten geblieben.

Edelmetalle dienen hingegen als Versicherung gegenüber großen wirtschaftlichen Krisen. Natürlich sind noch viele andere Faktoren für die Kursentwicklung verantwortlich, wie z.B. die Nachfrage der Industrie oder die Entwicklung von neuen, kostengünstigeren Fördertechniken. Dies sind jedoch Gründer, die für Privatanleger – aber auch für Banker – schwieriger nachzuvollziehen sind, weshalb wir an dieser Stelle nicht tiefer darauf eingehen.

Mythos Gold

Gold ist ein begehrtes Edelmetall

Gold steht seit Jahrtausenden für Reichtum und Sicherheit

Gold ist der Klassiker unter den Edelmetallen, weshalb ich diese Anlageklasse an seinem Beispiel näher beleuchten will. Um Gold ranken sich unzählige Mythen, die mitunter ihre Berechtigung haben, z.T. aber auch eher ins Reich der Sagen gehören. Fakt ist, dass der Preis pro Goldunze seit Beginn der 2000er Jahre von unter 400 US Dollar bis 2012 auf über 1.800 US Dollar anstieg, wozu natürlich die Finanzkrise 2008 ihren deutlichen Beitrag geleistet hat. Daran ist der Vorteil in Krisenzeiten abzulesen. Seitdem fiel der Kurs aber wieder deutlich – Ende 2015 bis auf USD 1.050 – und hat sich danach ungefähr in einem Korridor von 1.150 bis 1.350 US Dollar eingependelt.

Spannend finde ich immer wieder, dass Gold eine magische Anziehung auf selbst konservative Anleger ausübt. Diese Investorengruppe meidet Aktien mitunter wie der Teufel das Weihwasser, hat aber kein Problem damit, das stark schwankende Edelmetall in z.T. nicht unerheblichem Anteil in ihre Vermögensanlage zu packen. Zu beachten ist außerdem, dass Gold in US Dollar notiert und dessen Wertentwicklung auch Einfluss auf den Stand Ihres Goldinvestments hat. Wobei auch ergänzt werden muss, dass bei einem schwachen Dollarkurs Goldkäufe durchaus zunehmen und der Goldpreis hierdurch steigt.

Ein Vorteil ist, dass bei Verkauf von physischem Gold (also Münzen oder Barren) nach einer Haltedauer von mindestens zwölf Monaten keine Abgeltungsteuer anfällt. Mehrwertsteuer fällt beim Kauf von physischem Gold ebenfalls nicht an, sofern dieses einen sehr hohen Reinheitsgrad aufweist. Bei Wertpapieren auf Gold (z.B. Goldfonds oder –zertfikate, Goldminenaktien) fällt zumeist die Abgeltungsteuer an.

Xetra-Gold als günstige Alternative

Es gibt vielfältige Möglichkeiten um Gold zu kaufen. Eine der preisgünstigsten Varianten ist der Kauf von verbrieftem Gold über die Börse. Hierfür bietet sich z.B. das „Xetra-Gold“ an, ein Produkt der Deutschen Börse AG in Form einer Inhaberschuldverschreibung. Dies ist eine effiziente Form des Gold-Investments, die Sie einfach über die Handelsplattform Xetra, dem Computerhandel der Deutschen Börse, kaufen können. Die Liquidität ist sehr hoch, Transaktionen können i.d.R. sofort durchgeführt werden. Der Kurs entspricht im Wesentlichen dem tatsächlichen Goldpreis, hier allerdings bezogen auf ein Gramm und notiert in Euro.

Zwischen An- und Verkaufskurs liegt nur eine geringe Spanne (i.d.R. 0,1% bis 1,0%) und Sie bezahlen die Wertpapier-Kaufgebühren Ihrer Bank und ggf. deren Depotgebühren. Management- oder Verwaltungskosten seitens der Börse fallen nicht an. Die Börse kauft mit dem Erlös der Emission physisches Gold und hinterlegt dieses im Tresor einer Tochtergesellschaft in Frankfurt. Aktuell sind dort über 160 Tonnen Gold gelagert. Sie haben einen Auslieferungsanspruch des Goldes gegen die Börse, wofür allerdings Gebühren anfallen. Seit 2007 sind über 900 Auslieferungen mit insgesamt über 4 Tonnen erfolgt.

Strittig ist bei Xetra-Gold noch die Anwendung der Abgeltungsteuer. Nach jüngster Rechtssprechung des Bundesfinanzhofs stellt dieses Produkt keine Finanzforderung, sondern einen Anspruch auf Auslieferung des Goldes dar. Daher kann Xetra-Gold – in steuerlicher Hinsicht – mit physischem Gold gleichgesetzt werden, weshalb keine Abgeltungsteuer beim Verkauf nach mindestens zwölf Monaten Haltedauer anfällt. Es ist allerdings noch offen, ob dies von der Finanzverwaltung dauerhaft für alle Anleger akzeptiert wird oder nur für Einzelfälle gilt. Manche Banken ziehen daher auch bei einem Verkauf nach zwölf Monaten die Abgeltungsteuer ab, andere tun dies nicht. Erkundigen Sie sich daher vor dem Kauf von Xetra-Gold bei Ihrer Bank über deren steuerliche Handhabung. Ggf. können Sie dann noch auf eine andere Bank ausweichen.

Vorsicht bei kleinen Barren oder Münzen

Kleine Edel-Metallmünzen oder -Barren sollten aufgrund der hohen Gebühren nicht gekauft werden

Kleine Edelmetall-Münzen oder -Barren haben oft hohe Kaufgebühren

Sofern Sie sich für den Kauf von physischem Gold entscheiden gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten, z.B. den Kauf über ein Edelmetalldepot. Sie kaufen hier Barren oder Münzen, diese werden jedoch nicht ausgeliefert, sondern in ein Depot eingebucht. Diese Variante können Sie bei Banken, aber auch Edelmetallhändlern, in Anspruch nehmen. Dafür bezahlen Sie die mit der Verwahrstelle vereinbarte Depotgebühr. Bei Bedarf können Sie sich die Edelmetalle ausliefern lassen, wofür jedoch – zumeist nicht unerhebliche – Gebühren anfallen.

Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs beträgt bei einem 1-Kilogramm-Goldbarren ca. 2%, bei einem 100-Gramm-Barren schon 3% und bei einem 1-Gramm-Barren fast 20 %! Bei einem Krügerrand (eine Unze) betragen die Kosten momentan 4%, bei der 1/10 Unze des Krügerrands hingegen schon über 12%.  Sie sehen, je kleiner die Münzen und Barren sind, umso höher ist die Vertriebsmarge. Für mich sind diese Mini-Varianten reine Marketinggags, in einer Vermögensanlage haben sie nichts verloren. Es mag nett sein, diese als Geschenk übergeben zu können, allerdings sind dies auch sehr teure Geschenke, denn die Vertriebsmarge ist für Sie nach dem Kauf gleich als Verlust anzusehen. Ich rate auch davon ab, sich Edelmetalle ausliefern zu lassen. Zum einen entstehen hierfür wiederum Gebühren, zum anderen entsteht damit ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko. Zuhause aufbewahrt können Barren und Münzen verloren oder auch gestohlen werden. Gerade in letzter Zeit stieg die Zahl der Einbrüche an.

Edelmetalle zu maximal 10% beimischen

Fazit: Wenn Sie den Eintritt von Krisen erwarten, können Edelmetalle mit maximal 10% in Ihre Vermögensstrategie beigemischt werden. Dies allerdings nur, wenn Sie einen langfristigen Anlagehorizont (mindestens zehn Jahre) haben und diesen Teil Ihres Vermögens nicht für den Lebensunterhalt oder für Anschaffungen benötigen. Da Edelmetalle keinen Ertrag abwerfen schwächen sie Ihre Liquidität und gehören daher nicht zu den empfehlenswerten Anlageklassen.

ProduktnameBewertungAnmerkungen
Fazit: Da weder Ausschüttungen noch (kalkulierbarer) Ertrag zu erwarten sind, eignen sich Edelmetall nicht für die Geldanlage im Ruhestand. Maximal 10% des Gesamtvermögens sollte dort investiert werden, und dies auch nur bei Erwartung von wirtschaftlichen Krisensituationen.
VolatilitätEs können hohe Kursausschläge geschehen. Nach oben wie nach unten.
SicherheitPhysisches Gold weckt auch bei Dieben Begehren und sollte im Banktresor verwahrt werden. Bei verbrieften Anlagen sind diese ähnlich wie Wertpapiere zu sehen. In volkswirtschaftlichen Krisen sollten Edelmetalle eine gute Absicherung sein.
RenditeLangfristig kein kalkulierbarer Wertzuwachs wie bei Aktien oder Anleihen.
LiquiditätBei physischem Gold schwieriger als bei Buchwerten.
KostenBei Barren oder Münzen sind die Ankaufs- und Verwahrkosten sehr hoch, Buchwert sind vergleichbar mit Wertpapieren.
ÜbertragbarkeitKeine Probleme, Depotüberträge können sich auch hinziehen.
AufwandAuch hier muss zwischen physischem Gold und Buchwerten unterschieden werden.
VerständlichkeitWer hin und wieder den Kurs seiner Edelmetalle beobachtet hat keine Probleme.

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April 27, 2019

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