Erbschaft- und Schenkungsteuer

Nicht wenige Menschen interessieren sich für die Nachfolgeplanung vor allem aus der Motivation heraus, Steuern zu sparen. Die Erbschaft- und Schenkungsteuer hat dabei die gleiche Basis. Es spielt mit Hinblick auf die Höhe der Freibeträge oder Steuerklassen und –sätze keine Rolle, ob Sie Vermögenswerte lebzeitig verschenken oder von Todes wegen vererben. Unterschiede sind aber sehr wohl gegeben, so können die Freibeträge alle zehn Jahre voll ausgeschöpft werden. Dies zeigt auch auf wie wichtig es ist (gerade bei Gesamtvermögenswerten oberhalb der Freibeträge) die Nachfolgeplanung rechtzeitig anzugehen.

Wir werden uns nun zuerst einen Überblick über Steuerklassen, Steuersätze und Freibeträge verschaffen.

Die Steuerklassen bei Erbschaft- und Schenkungsteuer

Bei der Schenkung- und Erbschaftsteuer werden in drei verschiedene Klassen unterschieden, in denen die Steuersätze – gestaffelt nach der Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs – ansteigen. Die Steuerklassen lassen sich dabei nach der Nähe der Beschenkten bzw. Erben zum Schenker bzw. Erblasser unterteilen:

Steuerklasse Persönliche Freibeträge
Steuerklasse I  
Ehegatten, eingetragene Lebenspartner EUR 500.000
Kinder, Stiefkinder, Kinder verstorbener (Stief-)Kinder EUR 400.000
Enkel (Kinder lebender (Stief-)Kinder) EUR 200.000
Eltern, Großeltern (nur bei Erbschaft, nicht bei Schenkung), Urenkel EUR 100.000
Steuerklasse II
Eltern und Großeltern (bei Schenkungen), Geschwister, Nichten/Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehegatten bzw. ehemaliger Lebenspartner aus aufgehobener Lebenspartnerschaft EUR 20.000
Steuerklasse III  
Alle anderen Personen, die nicht in die Steuerklasse I oder II fallen.

Steuersätze bei Erbschaft- und Schenkungsteuer

In den jeweiligen Steuerklassen gelten dann folgende Steuersätze:

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs bis einschließlich Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
EUR 75.000 7 % 15 % 30 %
EUR 300.000 11 % 20 % 30 %
EUR 600.000 15 % 25 % 30 %
EUR 6.000.000 19 % 30 % 30 %
EUR 13.000.000 23 % 35 % 50 %
EUR 26.000.000 27 % 40 % 50 %
Über EUR 26.000.000 30 % 43 % 50 %
  • Grundsätzlich steuerfrei übertragen werden können[1]:
  • Die gemeinsam bewohnte Immobilie an den Ehepartner
  • Hausrat an Personen der Steuerklasse I bis EUR 41.000 und an Personen der Steuerklasse II und III bis zu EUR 12.000 sowie andere Bewegliche Gegenstände bis zu EUR 12.000 an Personen der Steuerklasse I[2]
  • EUR 20.000 für Personen, die den Erblasser unentgeltlich (oder nur gegen geringe Entschädigung) gepflegt haben
  • Altersvorsorge für Ehegatten
  • Freibeträge wie Vorsorgungsfreibetrag außerhalb der erbrechtlichen Freibeträge
  • Versorgungsfreibeträge wie hier angeführt:
Angehöriger   Freibetrag
Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner EUR 256.000
Kinder Bis zu fünf Jahren EUR 52.000
Sechs bis zehn Jahre EUR 41.000
Elf bis 15 Jahre EUR 30.700
16 bis 20 Jahre EUR 20.500
21 bis 27 Jahre EUR 10.300

Von den Freibeträgen werden die Kapitalwerte der Hinterbliebenenbezüge abgezogen.

Rechenbeispiele

Um Ihnen ein grobes Verständnis der Berechnung der Erbschaft und Schenkungsteuer zu geben führe ich hier einige Beispiele an.

Fall 1

Ein Vater vererbt seinem Sohn EUR 900.000. Dieser hat als Kind einen Freibetrag von EUR 400.000, demnach reduziert sich das zu versteuernde Erbe auf EUR 500.000. Für Kinder gilt die Steuerklasse I. Die Erbschaft ist demnach mit 15 % zu besteuern, ergibt EUR 75.000 an Steuern.

Fall 2

Die Tante schenkt ihrer Nichte EUR 1.000.000. Hier gilt der Freibetrag von EUR 20.000, womit die Schenkung mit EUR 980.000 zu versteuern ist. Die Nicht zählt zur Steuerklasse II, bei diesem Betrag gilt hier ein Steuersatz von 30 %, woraus sich eine Steuerschuld von EUR 294.000 errechnet.

Fall 3

Ein Unternehmer hinterlässt seiner Geliebten ein Vermächtnis im Wert EUR 650.000. Hier gilt wiederum nur ein Freibetrag von EUR 20.000, weshalb die Frau den Betrag von EUR 630.000 der Steuer unterwerfen muss. Für sie gilt Steuerklasse III mit dem Steuersatz von 50%. Das Finanzamt fordert deshalb EUR 315.000 von ihr.

 

Ich denke, anhand dieser Beispiele wird die Berechnung transparent. Das deutsche Erbschafts- und Schenkungsrecht kennt noch verschiedene zusätzliche Freibeträge. Exemplarisch sind hier die selbst bewohnte Immobilie, die unter bestimmten Umständen steuerfrei verschenkt oder vererbt werden kann. Hier alle Details aufzuführen, würde den Rahmen des Buchs sprengen. Interessierte verweise ich auf die entsprechenden Gesetzestexte.

Sie sehen jedoch auch, dass relativ schnell hohe Erbschaft- oder Schenkungsteuer anfällt. Gerade dann, wenn Übertragungen außerhalb von Ehepartnern oder Eltern an Kinder stattfinden. Die Steuer muss umgehend an das Finanzamt bezahlt werden. Hieraus erkennen wir, dass die Liquidität auch hier – wie generell in der Finanzplanung – eine bedeutende Rolle spielt. Insbesondere bei der Vererbung von größeren Immobilienvermögen ist dies ein elementarer Punkt. Wenn Sie verhindern wollen, dass Ihre Erben ggf. zur Finanzierung der Erbschaftsteuer kurzfristig zum Verkauf einer oder mehrerer Objekte gezwungen sind, empfiehlt sich dieses Thema bereits in der Nachlassplanung anzugehen und evtl. lebzeitig noch Verkäufe – weitsichtig geplant – durchzuführen.

Es gibt jedoch auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, vollkommen legal Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer zu reduzieren oder komplett zu vermeiden. Ich darf ich Ihnen an der Stelle meine dringende Empfehlung zum Thema „Steuern sparen“ geben: Wichtig ist, dass Sie zuerst Ihre Strategie festlegen. Wenn sich bei der taktischen Umsetzung Möglichkeiten zeigen Steuern zu vermeiden, dann ist dies gut und Sie können dies im Bedarfsfall natürlich auch nutzen. Ich warne jedoch ausdrücklich davor, ein Steuersparmodell aus reinem Steuervermeidungstrieb anzuwenden wenn es nicht zu Ihrer Strategie passt.

Alle hier angeführten Rechtsgrundlagen sind dem Bürgerlichen Gesetzbuch entnommen, Stand 2018.

[1]Darüber hinaus gibt es noch weitere Befreiungen, z.B. Kunstgegenstände

[2]Gilt nicht für z.B. Bargeld, Wertpapiere, Münzen oder Edelmetalle

August 5, 2018

  • Die Erbschaftsteuer betreffen wohl jeden von uns:) Mein wollte die nicht zahlen, warum er sich eigentlich auf sein Pflichtteil verzichtet hat, zu Gunsten seiner Cousine. Laura heiratet bald und der Opa hat beschlossen, noch zu den Lebzeiten die Erbschaftsprobleme zu regeln:) Sinnvoll wäre es im Bezug auf unsere große Familie, danke für Steuersätze, die sind Laura behilflich!

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