Fehler in der Finanzplanung – Teil 6: Elternunterhalt nicht berücksichtigen

Heimkosten fressen das angesparte Vermögen schnell auf und Kinder können zum Elternunterhalt verpflichtet werden.

Kinder können zur Zahlung von Elternunterhalt verpflichtet werden. Credit: Pixabay

Die Kosten für Pflege sind hoch und werden künftig auch noch weiter ansteigen. Dies hat auch seine Berechtigung, wenn Pflegerinnen und Pfleger dadurch besser bezahlt werden können. Eine bessere Vergütung ist auch dringend notwendig, zum einen um die aktuellen Pflegekräfte – für ihre oftmals hervorragende Arbeit – leistungsgerecht zu entlohnen. Zum anderen, um die Pflegejobs auch attraktiver für andere Menschen zu machen. Für die Kinder des zu pflegenden Elternteils kann dies jedoch dazu führen, dass Elternunterhalt bezahlt werden muss.

Die monatliche Zuzahlung kann bei stationärer Unterbringung im Pflegeheim ohne Probleme EUR 1.500 pro Monat betragen (oder auch deutlich mehr – dies ist abhängig von der Lage und der Ausstattung des Heims). Wenn das laufende Einkommen (zzgl. möglicher Pflegeversicherungen) nicht dazu ausreicht die Pflegekosten zu finanzieren, müssen der bestellte Betreuer oder (mittels Vorsorgevollmacht) Bevollmächtigte dafür Sorge tragen, die finanzielle Differenz aus dem Privatvermögen der zu pflegenden Person bezahlen. Solange genügend liquide Mittel vorhanden sind, ist dies noch relativ einfach zu bewerkstelligen (mal abgesehen vom Blickwinkel der nächsten Angehörigen, deren potentielles Erbe dadurch schmilzt wie der Schnee in der Märzsonne). Es besteht nur ein Freibetrag für ein „Schonvermögen“ in Höhe von gerade einmal EUR 2.600.

Bei Immobilien und anderen illiquiden Vermögenswerten ist dies schon schwieriger. Werden Häuser oder Wohnungen vorausschauend und rechtzeitig verkauft, lassen sich in der aktuellen Marktphase oft gute Preise realisieren. Wenn der Immobilienverkauf jedoch „auf die lange Bank“ geschoben wird, kann es passieren, dass durch den kurzfristigen Handlungsdruck schnell verkauft werden muss. Immobilien-Profis wissen häufig um diese Situation und können den Preis dementsprechend drücken. Gerade gerichtlich bestellte Berufsbetreuer können – aufgrund der Vielzahl der zu betreuenden „Kunden“ – sich zeitlich nicht angemessen um diesen Verkauf kümmern, was eben zu diesem geringeren Verkaufserlös führen kann. Optimierungsansätze zum Umgang mit Immobilienvermögen haben Sie ja schon im vorigen Kapitel gelesen.

Sollten jedoch auch keine Immobilienwerte (mehr) zur Verfügung stehen, womit – nach Liquidation – der Eigenanteil der Pflegekosten getragen werden kann, springt zwar zunächst die Sozialbehörden zur Deckung ein. Dort wird aber geprüft, ob der Ehepartner oder die Kinder zur Unterhaltszahlung verpflichtet werden können. Damit soll verhindert werden, dass die Allgemeinheit für Kosten haftet, die innerhalb des genannten engen Familienkreises beglichen werden könnten.

Wie bei Unterhaltszahlungen üblich wird zur Berechnung des möglichen Elternunterhalts die Düsseldorfer Tabelle herangezogen. Hier gilt ein monatlicher Freibetrag von EUR 1.800 bei Alleinstehenden. Verheiratete haben einen gemeinsamen Freibetrag von EUR 3.240 (die Mietkosten sind hierin schon berücksichtigt). Darüber hinausgehende Einkommen werden von den Behörden mit 50% angerechnet, wodurch sich der Selbstbehalt erhöht. Andere Unterhaltsverpflichtungen, z.B. ggü. eigenen Kindern, werden ebenfalls berücksichtigt.

Daneben können noch andere Ausgaben angerechnet werden, die eine mögliche Eltern-Unterhaltszahlung reduzieren oder ganz verhindern können:

  • Zahlungen zur privaten Altersvorsorge (5% vom Bruttoeinkommen p.a.)
  • Darlehensverbindlichkeit (z.B. Baufinanzierungen, aber auch Konsumschulden, sofern diese bereits vor dem Eintreten der Unterhaltspflicht zur „Führung eines angemessenen Lebensstandards“ verwendet wurden)

Optional können auch Aufwendungen berücksichtigt werden, wie z.B. berufsbedingte Aufwendungen oder Reisekosten für die Besuche bei Mutter oder Vater im Pflegeheim.

Zur genauen Berechnung des Elternunterhalts ist es notwendig, sich mit einem hierauf spezialisierten Rechtsanwalt in Verbindung zu setzen. Die hier genannten Punkte dienen nur zu einer ersten, groben Orientierung!

September 4, 2018

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