Geldanlage für Enkel mit Lebensversicherungen

Großeltern haben oftmals den Wunsch, für ihre Enkelkinder zu sparen oder ihnen im Todesfall etwas zu hinterlassen. Bei einem guten Verhältnis der Großeltern mit den Enkeln und deren Eltern eine einfache Sache. Schwieriger wird dies, wenn folgende Bedenken bestehen:

  • Die Großeltern sind unsicher, ob der begünstigte Enkel später einen soliden Lebenswandel führt oder vielleicht das geschenkte oder vererbte Vermögen gleich nach dem 18. Geburtstag verjubelt oder gar für Drogen oder Ähnliches verwendet.
  • Der angedachte Betrag soll – auch im Falle des Todes der Großeltern – erst beim Eintreten eines bestimmten Ereignisses, z.B. Abschluss von Studium oder Ausbildung, in den Besitz des Enkels übergehen.
  • Es soll verhindert werden, dass die Eltern des Enkels über die Schenkungen verfügen können, wenn auch nur als gesetzlicher Vormund des Enkels.

Diese Probleme ließen sich auch mit einer Testamentsvollstreckung lösen, was manchen Großeltern aber zu aufwändig erscheint oder andere Vorbehalte dagegen bestehen.

Ich bin grundsätzlich kein Freund einer Geldanlage in Form von Kapitallebensversicherungen. Sie sind sehr teuer, intransparent und bieten eine bescheidene Rendite. Obendrein sind sie noch schlecht liquidierbar. Wenn es jedoch um die Gestaltung von Vermögensübertragungen geht, bezeichne ich Lebensversicherungen gerne als das “Schweizer Taschenmesser” der Vermögensnachfolge. Es gibt wenige Werkzeuge in der Finanzdienstleistung, die bei der Übertragung von Kapital so universell einsetzbar sind.

Um die oben genannten Herausforderungen der Großeltern zu lösen, empfehle ich eine “Großeltern-Enkel-Police” (sie ist auch unter dem Namen “Opa-Enkel-Police” bekannt).  Dabei wird die Versicherungsnehmereigenschaft zwischen den Großelternteil (zu 1%) und dem Enkel (zu 99%) aufgeteilt. Der Enkel kann so nicht über das in die Versicherung einbezahlte Kapital verfügen, außer der Großelternteil stimmt zu. Die Eltern des Enkels haben keine Möglichkeit, auf das Kapital zuzugreifen (auch nicht im Sinne des Vermögensverwalters für das Kapital ihres Kindes). Im Falle des Todes des Großelternteils kann der Anteil der 1%-Versicherungsnehmereigenschaft entweder an den Enkel oder aber auch auf eine dritte Person übergehen. Dieser Dritte überträgt seinen Anteil dann später, z.B. beim Eintritt des von den Großeltern festgelegten Ereignisses (wie eine abgeschlossene Ausbildung), an den Enkel, womit dieser verfügen könnte.

Klären Sie unbedingt mit der Versicherungsgesellschaft ab, ob eine solche Aufteilung der Versicherungsnehmereigenschaft darstellbar ist, ebenso wie eine evtl. getrennte Übertragung des 1%-Anteils im Todesfall an einen Dritten. Nicht jede Versicherung kann (oder will) derartige Verträge anbieten. Deutsche Versicherer sind oftmals unflexibler als ausländische, z.B. gerade Anbieter aus Liechtenstein haben bieten gute Produkte und Service an. Ihnen muss auch bewusst sein, dass diese Übertragung im Versicherungsmantel eine teurere Lösung ist, als z.B. einfach ein Tagesgeldkonto oder Wertpapierdepot auf den Namen des Enkels zu eröffnen und das vorgesehene Guthaben – egal ob als lebzeitige Schenkung oder als Erbe bzw. Vermächtnis – dort einzubringen. Dafür bringt sie die oben genannten Vorteile mit sich. Falls Sie sich für diese Variante der Vermögensübertragung interessieren empfehle ich auf jeden Fall eine Fonds-gebundene Lebensversicherung, keine klassische Kapitallebensversicherung. Die Fonds-Lösung ist zwar auch teuer, bietet aber deutlich mehr Renditepotential.

Die Großeltern-Enkel-Lebensversicherung lässt sich übrigens auch auf andere Verbindungen übertragen, z.B. Tante-Nichte oder Patenonkel-Patentkind. Dies lässt sich ebenfalls mit einer Lebensversicherung in einer solchen Ausgestaltung darstellen.

August 5, 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.