Ist die gesetzliche Erbfolge für Ihre Nachfolgeplanung geeignet?

Die gesetzliche Erbfolge wird nicht jeder Familiensituation gerecht.

Für die meisten Menschen ist es sehr unangenehm, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund wird die Planung des eigenen Nachlasses gerne immer weiter nach hinten verschoben. Es ist aber nicht möglich, die eigene Vermögensnachfolge nicht zu regeln: wenn Sie keine Planung vornehmen, dann gilt die gesetzliche Erbfolge aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Sie ist für einige Fälle durchaus passend, wird aber den meisten Familiensituationen nicht gerecht.

Frühzeitige Nachlassplanung empfehlenswert

Es ist sinnvoll, die Vermögensnachfolge frühzeitig zu regeln. Die folgenden Praxisfälle sollen Ihnen aufzeigen, bei welchen Erbfall-Konstellationen die gesetzliche Erbfolge meistens nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Sprich, das Vermögen kann (zumindest zum Teil) im Erbfall bei (ehemaligen) Familienmitgliedern landen, die üblicherweise nicht unbedingt dafür vorgesehen sind. Jeder, der sich in einem dieser Fälle wiederfindet, sollte unbedingt ein Testament erstellen – egal in welchem Alter!

Fall Auswirkung in der gesetzlichen Erbfolge
Sie haben keine Kinder, sind aber verheiratet oder haben einen Lebensgefährten. In der gesetzlichen Erbfolge wird Ihr unverheirateter Partner überhaupt nicht berücksichtigt. Das könnte z.B. zur Folge haben, dass er von den Erben relativ schnell aus Ihrer gemeinsamen bewohnten Wohnung oder Haus „geworfen“ wird, sofern die Erben nun im Besitz der Immobilie sind.

Bei kinderlosen Verheirateten erben auch die Eltern (bzw. bei deren Tod auch Geschwister oder gar entferntere Verwandte), in der Zugewinngemeinschaft ¼, bei Gütergemeinschaft oder –trennung sogar ½. Der überlebende Ehepartner kann sich dann in der Erbengemeinschaft mit den Miterben über die Aufteilung des Erbes auseinandersetzen.

Sie leben in einer „Patchwork-Familie“ und haben auch Stief- oder Pflegekinder. Sofern Sie den Stief- oder Pflegekinder ebenfalls an Ihrem Nachlass teilhaben möchten, muss dies im Testament festgehalten werden, in der gesetzlichen Erbfolge bleiben diese unberücksichtigt.

Falls Sie dies nicht möchten, besteht das Problem, dass Ihr Ehepartner von Ihnen erbt. Ihr Ehepartner wird wiederum von seinen Kinder beerbt. Ihre leiblichen Kinder hingegen haben kein Erbrecht gegenüber Ihrem Ehepartner, da sie mit ihm nicht verwandt sind.

Sie sind an einem Unternehmen beteiligt Sie möchten sicherstellen, dass bestimmte ihrer gesetzlichen Erben nicht Gesellschafter werden und damit nach Ihrem Tod über die Zukunft des Unternehmens mitentscheiden. Bei einem ungeplanten Erbe drohen mitunter äußerst hohe steuerliche Belastungen oder auch Abfindungszahlungen, die das Unternehmen in die Insolvenz treiben können. Es kann sogar eine Zwangsliquidation der Gesellschaft drohen.
Sie wollen eines Ihrer Kinder oder Ihren Ehegatten / Lebenspartner enterben Dies geht nur – unter Berücksichtigung des Pflichtteilsrechts – mit einem Testament.

 

Sie haben minderjährige Kinder Wenn minderjährige Kinder erben, muss sich der überlebende Elternteil hinsichtlich des Vermögens der Kinder mit dem Vormundschaftsgericht abstimmen (insb. bei Immobilien und Unternehmensanteilen). Dies kann z.B. durch eine Testamentsvollstreckung verhindert werden, die aber in einem Testament festgehalten werden muss.
Verheiratet mit Kindern, der Ehegatte soll besser bedacht werden als die Kinder. Dies kann empfehlenswert sein, wenn die Kinder noch minderjährig sind und der Ehepartner daher den Hauptteil des Erbes erhalten soll. Er kann das Vermögen verwalten und zielgerichtet für die Ausbildung der Kinder einsetzen. Die Verwaltung des Vermögens für Kinder ist aufwändiger, gerade bei Immobilien und Unternehmensanteilen ist mitunter die Zustimmung des Vormundschaftsgerichts erforderlich.
Menschen mit Behinderungen Menschen mit Behinderungen bedürfen besonderer Pflege und können deshalb unter Betreuung stehen und / oder wohnen in einem Pflegeheim. Da sie selten über ein ausreichendes Einkommen verfügen, bezahlt der Staat die Unterbringungs- und Pflegekosten und kommt für den Lebensunterhalt auf. Erbt nun diese Person, wird der Staat das Erbe einfordern, um damit für die Unkosten aufzukommen. Ein Lösungsansatz ist ein so genanntes “Behindertentestament”.
Überschuldete Erben Falls einer Ihrer Erben überschuldet ist, werden sich seine Gläubiger über seinen Erbanteil freuen. Sie werden versuchen, damit ihre Forderungen zu befriedigen, Ihr Erbe geht dabei leer aus (bzw. behält nur den Teil, der die Schulden übersteigt). Vor- und Nacherbschaft sind Lösungsansätze, die aber in der gesetzlichen Erbfolge nicht vorgesehen sind.
Sie sind geschieden Wohl kaum jemand hat Interesse, dass der Ex-Partner nach dem eigenen Ableben Teile des Vermögens erhält. In der gesetzlichen Erbfolge ist dies auch nicht vorgesehen.

Sofern jedoch gemeinsame minderjährige Kinder vorhanden sind, werden diese Erben. Wenn der ehemalige Partner das Sorgerecht für die Kinder hat, wird er sich damit auch um das Vermögen der Kinder kümmern.

Im Falle des Ablebens des Kindes wäre die oder der Ex – als dessen Elternteil – in der gesetzlichen Erbfolge wieder beteiligt und würde damit – über die „Zwischenstation Kind“ – (Mit-)Erbe des Vermögens werden.

Nicht verheiratete Partner Es ist nicht unüblich, dass Menschen seit vielen Jahren ohne Trauschein glücklich zusammenleben. In Deutschland sind dies immerhin drei Millionen Paare. Im Todesfall aber steht dem überlebenden Partner – sofern er nicht in einem Testament berücksichtigt ist – nichts zu. Die Kinder haben dagegen volles Erbrecht, wie z.B. auch der seit Jahren getrenntlebende Ehepartner, von dem man sich – aus welchen Gründen auch immer – jedoch nie formal scheiden ließ. Auch im Fall, dass nur noch entfernte Verwandte leben: diese haben in der gesetzlichen Erfolge Vorrang vor dem nicht verheirateten Partner.

Im Gegensatz zu Verheirateten ist es für ledige Paare ebenfalls nicht möglich, ein gemeinsames Testament aufzusetzen. Die einzige Möglichkeit, eine gemeinsame letztwillige Verfügung aufzusetzen ist ein notariell beurkundeter Erbvertrag. Das Problem hierbei ist, dass dieser nur gemeinschaftlich wieder aufgelöst werden kann. Sollte einer der beiden Partner mittlerweile an Demenz erkrankt – und damit testierunfähig – sein, kann dieser nicht mehr aufgehoben werden.

Stellen Sie sich vor, Sie und Ihr Partner leben seit Jahren gemeinsam in einer Wohnung, die Ihnen gehört. Sie versterben, haben aber kein Testament verfasst. Nach der gesetzlichen Erbfolge ist z.B. Ihre Nichte Alleinerbin. Ihre Nichte mag Ihren Partner nicht. Dieser ist nun aber auf das Wohlwollen ihrer Nichte angewiesen, um zumindest noch eine Übergangszeit weiterhin in der Wohnung leben zu können. Falls Ihre Nichte dies nicht will, kann sie den Partner kurzfristig – nach maximal 30 Tagen nach Ihrem Ableben – vor die Türe setzen.

Die Versorgung des eigenen Partners lässt sich jedoch nur sicherstellen, wenn dieser in einem Testament berücksichtigt ist.

Gesetzliche Erbfolge nicht für alle Familien geeignet

Sie sehen, nicht für jede Familiensituation ist gesetzliche Erbfolge die richtige Lösung. Sie sollten daher Ihre Nachfolgeplanung aktiv angehen. Die Erstellung einer letztwilligen Verfügung wird nicht erst notwendig, wenn man alt ist. Vielmehr sollten Sie dies früh- und vor insbesondere rechtzeitig angehen. Ihr Ehegatte oder Lebenspartner, Ihre Kinder aber auch ggf. Ihre Mitgesellschafter und Mitarbeiter würden Sie dafür als fürsorglichen, vorausschauenden und verantwortungsvollen Menschen in Erinnerung behalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.