Kursentwicklung bei Anleihen

Wie entwickelt sich der Preis von Anleihen bei steigenden oder fallenden Zinsen?

Der Zins ist der Preis für das Leihen von Geld. Wenn sich von Ihnen jemand Geld leihen möchte, bekommen Sie – sozusagen als Nutzungsentschädigung – Zinsen bezahlt. Bei großen Unternehmen oder gar Staaten ist es unmöglich, sich den Finanzbedarf von einzelnen Banken geschweige denn Privatpersonen decken zu lassen. Aus diesem Grund werden Kredite in Form von Anleihen über die Börse ausgegeben, die dann von einzelnen Anlegern durch kleine Stückelungen in Teilen erworben werden können. Anleihen werden in der Regel zu einem Preis von um 100% begeben, zu diesem Wert werden sie auch wieder zurückbezahlt.

Steigt nun das Zinsniveau an, so werden bereits an der Börse gehandelte Anleihen mit geringeren Zinssätzen als bei neu herausgegebenen Papieren uninteressanter, was zu Verkäufen führt. Wie am Markt üblich sinkt der Preis, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. Dies geschieht so lange, bis der Preis so günstig ist, dass hierüber die geringere Zinszahlung kompensiert wird. Der Mechanismus bei sinkenden Zinsen funktioniert genau anders herum. Anleihen mit hohen Kuponzahlungen werden attraktiver, die Nachfrage steigt an. Und dies wiederum solange, bis der höhere Preis den höheren Zinssatz rechtfertigt und die Rendite auf dem marktüblichen Niveau angekommen ist.

Sehen wir uns dazu zwei Beispiele an:

Anleihe Nr. 1 hat eine Restlaufzeit von drei Jahren. Sie hat einen Kupon von 2%, der einmal jährlich ausbezahlt wird. Das marktübliche Zinsniveau für dreijährige Anleihen bei Schuldner gleicher Qualität beträgt jedoch nur 1%. Auf die gesamte Restlaufzeit von drei Jahren gesehen erhalten Sie bei dieser Anleihe 6% Zinsen. Am Markt wären bei der gleichen Laufzeit jedoch nur 3% üblich.

Die Anleihe ist also mit einer 3% besseren Verzinsung ausgestattet als am Markt üblich, was für steigende Nachfrage sorgt. Der Preis wird auf 103% steigen. Da Sie beim Laufzeitende jedoch nur 100% zurückerhalten, gleicht dieser Kursverlust den Mehrertrag bei den Zinsen aus, die Rendite liegt daher wieder bei marktüblichen 3% p.a.

Anleihe Nr. 2 hat eine Restlaufzeit von 20 Jahren und ist – genau wie Anleihe Nr. 1 – mit einem Kupon von 2% versehen. Auch hier beträgt der vergleichbare Zinssatz 1%. Der Mechanismus mit Angebot und Nachfrage ist identisch, nur beträgt der Renditevorsprung bei Anleihe Nr. 2 – aufgrund der zwanzigjährigen Restlaufzeit – nicht 3%, sondern 20%. Dies sorgt dafür, dass der Kurs auf 120% steigen wird.

Sie können aus diesem Beispiel erkennen, dass eine Hebelwirkung vorliegt. Je länger die Restlaufzeit, umso stärker die Schwankungen. Bei fallenden Zinsen steigen die Kurse der Anleihen, bei steigenden Zinsen sinken sie.

Natürlich gibt es noch weitere Auswirkungen auf die Kurse der Anleihen, z.B. wenn sich die Bonität des Schuldners verbessert oder verschlechtert. Darauf gehen wir jedoch aus Platzgründen nicht ein.

April 23, 2019

Schlagwörter: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.