Rentenversicherung selbstgemacht

Rentenversicherungen sind meistens sehr teuer

Eine Rentenversicherung schafft ein Zusatzeinkommen im Ruhestand

Eine Rentenversicherung hat durchaus Vorteile: Sie sichert eine garantierte Zahlung in regelmäßigen Abständen zu. Je nach Vertragsart für eine bestimmte Dauer oder auch bis zum Lebensende. Gleichzeitig haben Sie mit dem Produkt so gut wie keinen Aufwand. Das ist gerade im hohen Alter gut ist, wenn man sich selbst nicht mehr um die eigenen Angelegenheiten kümmern kann (oder auch will) und auch keine Angehörigen oder Freunde da sind, die dies übernehmen möchten.

Nachteile einer Rentenversicherung

Nachteilig sind die hohen Kosten und die geringe Rendite (mal abgesehen von fondsgebundenen Varianten). Außerdem stört, auch wieder je nach Vertragsart, dass das einbezahlte Kapital im Todesfall bei der Versicherungsgesellschaft verbleibt und die Erben leer ausgehen. Zusätzlich haben Sie noch das Risiko der möglichen Zahlungsunfähigkeit der Versicherungsgesellschaft zu tragen, siehe § 314 aus dem Versicherungsaufsichtsgesetz.

Wertpapiere können Nachteile der Rentenversicherung ausgleichen

Die Nachteile einer Rentenversicherung könnten mit einer Wertpapieranlage kompensiert werden:

  • mit der richtigen Zusammensetzung sollte eine Rendite von zwei bis drei Prozent pro Jahr bei überschaubaren Wertschwankungen machbar sein. Wer ausreichend Kapital und das Nervenkostüm hat, auch höhere Kursausschläge auszuhalten, für den sind mit einem Aktiendepot auch langfristig fünf Prozent und mehr pro Jahr drinnen.
  • die Kosten sind – mit den richtigen Produkten und der passenden Bank – auch überschaubar. In jedem Fall aber günstiger als bei der Rentenversicherung.
  • Auch die Erben können sich freuen: die restlichen Depotwerte gehen nach dem Tod auf sie über und können bei Bedarf kurzfristig liquidiert werden.
  • Im Falle eines Bankkonkurses sind die Wertpapiere Sondervermögen, das direkt dem Kunden zusteht und nicht in die Insolvenzmasse einfließt.

„Tja, wie schön wäre es, wenn sich die Vorteile aus beiden Anlageprodukten kombinieren ließen,“ mögen Sie sich jetzt denken „aber das ist wohl nicht möglich“. Nun zugegeben, 1:1 das Beste aus beiden Welten zu kombinieren, ohne einen Nachteil dabei zu haben, ist nicht möglich. Aber es gibt eine Möglichkeit, sich so etwas wie eine „selbstgebaute Rentenversicherung“ zuzulegen.

 

Trinity Study analysiert Szenarien

Mit Aktien- und Anleihen-Investments können Sie langfristig ein Zusatzeinkommen im Ruhestand aufbauen

Wissenschaftler recherchierten, dass eine Wertpapieranlage langfristig regelmäßige Entnahmen ermöglicht

Wissenschaftler haben sich über dieses Thema auch schon den Kopf zerbrochen. Ein paar Akademiker der Trinty University aus Texas haben im Rahmen der „Trinity Study“ – auch bekannt als die „4 %-Regel“ – forschten im Jahr 1998, welche Lösungsansätze es hierfür geben kann. Dazu wurde das Modellportfolio „Ruhestand“ entwickelt, das je zur Hälfte aus amerikanischen Aktien und Anleihen besteht. Untersucht wurden dabei sämtliche 30-Jahreszeiträume zwischen den Jahren 1925 und 1995. Also z.B. 1925 bis 1955, 1926 bis 1956 usw.

Das Ergebnis war, dass in jedem Jahr 4 % der Anlagesumme entnommen werden konnten, ohne dass diese vor Ablauf der 30 Jahre komplett verbraucht war. Bei den entnommenen Beträgen konnte sogar die jährliche Inflationsrate ergänzt werden, sprich die reale Kaufkraft blieb erhalten. Natürlich gab es in diesen Zeiträumen heftige Ausschläge an den Börsen, nach oben wie nach unten (z.B. 1929 mit der nachfolgenden Weltwirtschaftskrise), allerdings war zum Ende der untersuchten Periode immer mindestens der Gegenwert vorhanden, den das Portfolio auch zu Beginn auswies.

Selbstverständlich ist eine solch historische Betrachtung keine Garantie, dass diese Ergebnisse auch in der Zukunft Bestand haben. Allerdings kann anhand der Studie schon relativ sicher abgeleitet werden, dass das Gesamtvermögen bei der jährlichen Entnahme der 4% als Ganzes erhalten bleibt. Und dies wohlgemerkt unter Einbeziehung eines 50%-Aktienanteils, der starken Schwankungen unterliegen kann.

Was in der Studie nicht berücksichtigt wurde sind Steuerzahlungen oder andere Abgaben. Die Abgeltungsteuer beträgt immerhin 25%. Sollten Kapitalerträge demnächst sogar mit dem Einkommensteuersatz besteuert werden, wird die daraus resultierende Belastung beim Einen oder Anderen noch höher sein. Zusätzlich muss ergänzt werden, dass gerade bei den (in der Studie berücksichtigten) amerikanischen Anleihen die Renditen deutlich höher waren, als aktuell bei uns in Europa. Produkt- und Transaktionskosten sind ebenfalls nicht enthalten.

Szenarioberechnung für den deutschen Markt

Mit Aktien lässt sich langfristig Vermögen aufbauen

Der deutsche Aktienmarkt bietet langfristig gute Chancen

Ich habe daher versucht, das Modell in europäische Verhältnisse zu übertragen. Dazu muss ich sagen, dass ich kein Mathematiker bin. Die Berechnung hat also nicht Anspruch, wissenschaftlich korrekt zu sein. Sie kann aber sehr wohl als Indikation dienen, wie lange sich mit der 4% Regel in Deutschland ein Zusatzeinkommen finanzieren ließe. Dabei habe ich die historischen Aktienrenditen des DAX-Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts, die Umlaufrenditen inländischer Inhaberschuldverschreibungen sowie die deutsche Inflationsrate verwendet. Außerdem wurde ein 25%iger Steuersatz unterstellt. Dieser Steuersatz war in der Vergangenheit auch schon höher. Es gibt aber auch einige Menschen, die keine oder geringere Steuern bezahlen. Die Höhe der Abgeltungsteuer (ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) erschien mir für dieses Rechenmodell plausibel.

In dieser Berechnung habe ich die Zeiträume zwischen den Jahren 1968 und 2016 berücksichtigt. Als Anlagesumme habe ich EUR 100.000 angesetzt, jeweils zur Hälfte in Aktien und in Renten investiert. Kursbewegungen in den Anleihen sind nicht berücksichtigt: wir unterstellen, dass diese immer bis zum Laufzeitende gehalten und zu 100% getilgt wurden. Auch hier ist mir bewusst, dass dieser Rechenweg Unschärfen enthält, da ab einem bestimmten Zeitpunkt auch Teile der Anlage verkauft werden müssen, nämlich wenn die Zinserträge nicht zur Deckung der Auszahlungen ausreichen (was immer geschieht, wenn der durchschnittliche Zinssatz niedriger als 5,0 % ist (inkl. der 25% Steuer), also immer seit dem Jahr 1998 (mit der Ausnahme vom Jahr 2000). Ausbezahlt wurden pro Jahr 4% der angelegten Summe, im Jahr 1 demnach EUR 4.000 (Anlagesumme EUR 100.000 * 4%). In den darauffolgenden Jahren wurde der Auszahlungsbetrag jeweils um die Inflationsrate hochgerechnet, um die Kaufkraft real zu erhalten.

Szenario “4% Entnahme”

Die Ergebnisse zeigen auf, wie lange Sie von Ihrem Kapital hätten leben können, wenn Sie in den folgenden Jahren in Rente bzw. Pension gegangen wären:

Szenario 4% Entnahme

Fazit: Wir erkennen, dass bei einem Renteneintritt in den Jahren 1968 bis 1972 das eingesetzte Kapital nicht unendlich erhalten bleibt. Im schlechtesten Fall (1970) war damit eine Verrentungsdauer von – immerhin – 26 Jahren möglich. Im besten Fall (1971) war ein Rentenbezug bis ins Jahr 2010 (oder über einen Zeitraum von 39 Jahren) machbar.

Bei einem Renteneintritt ab 1973 hat das Kapital in jedem Jahr einen Rentenbezug bis ins Jahr 2016 ermöglicht. Im schlechtesten Fall – Rentenbeginn im Jahr 1999 – waren dann noch EUR 48.000 an Restguthaben vorhanden. Der beste Fall wäre bei einem Renteneintritt im Jahr 1981 gewesen: neben der jährlichen Entnahme der 4% wäre noch ein stattliches Vermögen von EUR 445.000 vorhanden gewesen.

Von entscheidender Bedeutung ist die Wertentwicklung der Aktienkurse kurz nach Rentenbeginn: steigt die Börse dann an, ist der dauerhafte Rentenbezug bei 4% Auszahlung beinahe garantiert. Erwischen wir jedoch ein schlechtes Börsenjahr, wie z.B. 1970 (- 26%), dann kann das Kapital schon nach 26 Jahren verbraucht sein. Wohlgemerkt, 25 Lebensjahre im Ruhestand sind sehr viel. Bei aktuell 67 Jahren Renteneintrittsalter würde das eine Verrentung bis ins Alter von 93 Jahren bedeuten.

Szenario “5% Entnahme”

Wir entnehmen statt der 4% jährlich 5%. Dies dient übrigens nicht dem erhöhten Konsum, sondern den Bankgebühren. Diese sind in der 4%-Variante nicht berücksichtigt worden. Das eine zusätzliche Prozent ist also für Ihren Finanzberater. Und dies ist noch konservativ gerechnet, 2% an jährlichen Gebühren sind keine Seltenheit.

Wir kommen zu folgendem Ergebnis: Szenario 5% Entnahme

Fazit: Selbst in den schlechtesten Phasen – der Renteneintritt wäre 1969 oder 1970 gewesen – hätten Sie bei der 5%-Methode mindestens 19 Jahre lang Ihr Kapital verzehren können. 1981, im besten Jahr dieser Betrachtung, hätten Sie nach 35 Jahren Zusatzrente noch EUR 320.000 in Ihrem Depot gehabt. Mehr als das Dreifache als zum Ruhestandsbeginn. Dies zeigt wiederum, wie sehr Sie von der aktuellen Börsenphase, gerade zu Beginn, abhängig sind. Die Beimischung von konservativen Anlagen zum Ausgleich der mitunter heftigen Aktien-Schwankungen ist also dringend notwendig.

Anderseits sehen wir auch am Jahr 1999 welche Auswirkungen das niedrige Zinsniveau hat. 2016, nach 17 Jahren Ruhestand, waren gerade noch EUR 21.000 in unserem Ruhestandsdepot verblieben. Diese würde bei der gleichbleibenden Entnahme der 5% des Anfangskapitals (= EUR 100.000) zzgl. des Inflationsausgleichs bedeuten, dass Sie mittlerweile knapp EUR 6.400 pro Jahr entnehmen. Damit blieben noch – bei stabiler Marktphase – ungefähr drei Jahre, bis das gesamte Kapital verzehrt ist. In Summe also ungefähr 20 Jahre, eine ähnliche Rentendauer wie beim Renteneintritt 1969 oder 1970.

Eine Verweildauer von 20 Jahren zwischen Ruhestandseintritt und dem Tod ist etwas mehr als der Durchschnitt. Ihr finanzielles Zusatzeinkommen, wenn Sie 90 Jahre und älter zu werden, ist damit nicht mehr gesichert. Gerade vor dem Hintergrund, dass die letzten Lebensjahre – aus medizinischer Sicht – die teuersten sind. Diese Statistik zeigt uns, dass die 4%- Regel die stabilere Variante ist. Optional können Sie auch mit der 5%-Methode starten und passen diese aber bei negativem Marktverlauf der 4%-Methode (oder darunter) an.

Szenario „ausschließlich Anleihen“

Als nächstes wollen wir noch einen Blick auf konservative Anleger werfen, die Aktien meiden wie der Teufel das Weihwasser. Wir investieren unsere EUR 100.000 Anfangskapital also nur in Rentenwerte und entnehmen 4% davon pro Jahr (zzgl. Inflationsausgleich).

Szenario nur Anleihen

Fazit: Die Berechnung zeigt, dass beim Renteneintritt zwischen 1968 und 1978 das Kapital eine Rentendauer von 32 bis 38 Jahren bis zur kompletten Verzehrung ermöglicht hätte. Bei späteren Renteneintritten wäre eine Bezugsdauer mindestens bis ins Jahr 2016 sichergestellt gewesen, und das sogar bei einem – überschaubaren – Restguthaben.

Diese Statistik täuscht jedoch und lässt sich aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus nicht in die Zukunft übertragen. Schließlich war die jährliche Auszahlung von 4% schon dadurch gesichert, dass der Zinssatz für die Anleihen meistens über dieser Größenordnung lag, zum Teil sogar sehr deutlich. Wenn wir einen Zinssatz von 1% unterstellen ist das Kapital bereits nach 18 Jahren verbraucht. Selbst bei einem Zinssatz von 2% verlängert sich der Bezugszeitraum lediglich auf 19 Jahre. Und in dieser Berechnung sind noch keine Bankgebühren enthalten.

Szenario „nur Aktien, 4% Entnahme“

Die Schlussfolgerung lautet demnach, dass doch besser alles in Aktien zu investieren, da die langfristige Rendite hier nachgewiesen am höchsten ist? Wir machen auch hier den Test und legen unsere EUR 100.000 Anfangskapital nur in Dividendentitel an und entnehmen 4% davon pro Jahr (zzgl. dem Inflationsausgleich).

Szenario nur Aktien, 4% Entnahme

Fazit: Die Ergebnisse sind beeindruckend. Aber auch die Bandbreite der Resultate steigt gewaltig an, gerade verglichen mit der Anlage ausschließlich in Anleihen. Die ersten Renteneintrittsjahrgänge zeigen, dass das Kapital bereits nach 21 Jahren verbraucht sein kann. Aber das ist immerhin mehr, als wenn das Geld nur unverzinst auf einem Konto herumgelegen wäre, was einem Verzehr nach 17 Jahren entspricht. Ein Rentenbeginn im Jahr 1981 hätte bequem bis 2016 gereicht, wobei noch ein stattliches Vermögen von EUR 848.000 übriggeblieben wäre. Hingegen bei einem Pensionsantritt 1999, kurz vor der Jahrtausendwende, wären nach 16 Jahren Verrentung lediglich noch EUR 35.000 Restsumme verblieben. Wir schlussfolgern, dass ein reines Aktieninvestment lukrativer sein kann, aber definitiv größeren Schwankungen unterworfen ist.

Szenario „nur Aktien, mit 5%-Entnahme“

Nun werden wir deutlich risikoreicher. Ein reines Aktieninvestment mit 5% Entnahme pro Jahr.

Szenario nur Aktien, 5% Entnahme

Fazit: In den meisten Fällen hätte die 5%-Variante bei einer reinen Aktienanlage funktioniert – aber eben nicht in allen. Sehr entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg Ihrer Anlage ist demnach der Einstiegszeitpunkt. Laufen die ersten Jahre nach der Anlage gut, baut sich mit der Zeit weitaus mehr Kapital auf als Sie zu Beginn investiert haben. Und das trotz regelmäßiger Behebungen, egal ob bei 4% oder 5%. In den fetten Börsenjahren zu Beginn der 1980er Jahre hätten Sie es bei der 4%-Regel nach ungefähr 35 Jahren Ruhestand gut über eine halbe Million Euro herangebracht.

Umgekehrt, wenn Sie zwischen 1968 und 1970 (oder auch 1999) Ihren Ruhestand angetreten hätten, wäre das Geld bereits nach 20 Jahren knapp geworden. Oder vergleichen Sie die die Jahre 1984 und 1985. Im ersten Jahr waren an der Börse sage und schreibe über 84% verdient was dazu führte, dass Sie 2016 immer noch stolzer Besitzer von EUR 330.000 gewesen wären. Wenn das Ruhestandsdepot nur ein Jahr später gestartet wäre (1985) dann wären 2016 (nach immerhin 31 Jahren) gerade mal noch EUR 14.000 übrig gewesen.

Zusammenfassung

Langfristig lässt sich mit Wertpapieren ein Zusatzeinkommen erzielen.

Mit der richtigen Anlagestrategie können Sie selbst eine Rentenversicherung bauen.

Ist es also reines Glück, zu welchem Zeitpunkt man an der Börse mit der Investition beginnt? Nun, wenn Sie das Geld bis zum Renten- oder Pensionsbeginn unter das Kopfkissen legen, dann bei der Bank aufschlagen und alles auf einmal anlegen könnte das passieren. Etwa so wie beim Roulette, wenn Sie Ihr Geld in wenigen Spielzügen auf einzelne Zahlen setzen. Das kann mit großem Erfolg glücken aber auch mit Hurra in die Hose gehen. Aber das – letztendlich zocken – wollen wir ja nicht machen.

Das Kapital wird bereits vorher investiert worden sein und dadurch hat ein langfristiger Vermögensaufbau – mit Höhen und Tiefen – stattgefunden. Um das am Beispiel der Jahre 1984 und 1985 zu verdeutlichen: Sie wären 1984 zwar noch berufstätig gewesen, hätten aber trotzdem schon investiert gehabt und die 84% Wertsteigerung demnach auch an der Börse verdient. Hieran zeigt sich, dass kurzfristiges Hin und Her an den Kapitalmärkten keinen Sinn macht. Wer einen langen Atem hat und auch in schlechten Phasen investiert bleibt profitiert dann langfristig auch von Jahren wie 1984.

Vermögensaufbau mit Sparplänen

Sollten Sie trotzdem in die Situation kommen, auf einmal einen großen Betrag zu bekommen (z.B. Erbe, fällige Lebensversicherung oder Abfindung) empfehle ich, diesen Betrag nicht auf einmal, sondern in regelmäßigen Raten zu investieren. Legen Sie den für das Aktieninvestment vorgesehenen Betrag auf ein Konto und schließen Sie einen Aktien(fonds)-Sparplan ab. Natürlich nicht in monatlichen 50-Euro-Raten, sondern mit so hohen Sparraten, dass der dafür vorgesehene Gesamtbetrag in 24 bis 36 Monaten investiert ist. Das Lotteriespiel um den richtigen Einstiegszeitpunkt verteilt sich dann über diesen Zeitraum in eine mittelfristige Investition. Geht es an der Börse nach oben freuen Sie sich, denn Sie sind schon von Beginn an (mit kleineren Beträgen) dabei. Geht’s nach unten ist es nicht so schlimm, denn Sie verlieren nur mit dem bereits investierten Kapital und kaufen die restlichen Anteile günstiger nach. Wir Fachleute sprechen hier vom „Cost-Average-Effekt“.

100% Aktien-Anlage nicht empfehlenswert

Es ist auch zu erkennen, dass eine reine Aktienanlage im Ruhestand nicht empfehlenswert ist, sondern eine Risikostreuung mit Anleihen und anderen Anlageklassen erforderlich ist. Eine Strategie könnte sein, immer nur den gleichen Prozentsatz vom Vermögen jährlich zu beheben, so ist ein Abschmelzen auf Null gar nicht möglich. Oder Sie überweisen sich in schlechten Börsenjahren weniger und in guten Börsenjahren mehr.

Ich denke die Beispiele zeigen auf, dass es nicht möglich ist, eine klassische Rentenversicherung selbstständig zu 100 % abzubilden. Aber mit diesen Methoden kommen mit den beschriebenen Modellen schon sehr nahe ran. Wichtig ist, dass jährlich ein Auge auf die Anlage geworfen und ggf. reagiert wird. Solange Sie sich guter Gesundheit erfreuen und Ihnen das Steuern Ihrer Finanzen auch ein bisschen Spaß macht ist das eine gute Sache. Schwieriger wird es in späteren Jahren, wenn Sie vielleicht gesundheitlich eingeschränkt sind und sich selbst nicht mehr um die Geldanlage kümmern können. Aber auch dafür gibt es Lösungen.

Lösungsansatz Vermögensverwaltung

Eine Vermögensverwaltung spart Zeit.

Mit einer guten Vermögensverwaltung kann langfristig ein Zusatzeinkommen geschaffen werden.

Sie können dies an einen nahen Angehörigen oder auch verlässlichen und in Finanzdingen kompetenten Freund delegieren. Diese Vertrauensperson sollte natürlich etwas jünger als Sie sein, um diese Tätigkeit auch längerfristig durchführen zu können. Ebenfalls kann dieser Job auch an Ihre Bank delegiert werden: diese Lösung nennt sich Vermögensverwaltung. Sie ist zugegeben nicht sehr preiswert, aber Sie haben im Falle eines guten Vermögensverwalters Profis, die sich um Ihre Finanzen kümmern.

Bereiten Sie diesen Fall jedoch nicht vor und werden später krank, wird ein Richter einen Betreuer für Sie bestellen. Ein Berufsbetreuer wird so viel zu tun haben, dass er (auch aus Haftungsgründen bzw. gesetzlichen Vorgaben) den einfachsten und sichersten Weg wählen wird: nämlich die Anlage auf Spar- oder Tagesgeldkonten mit schlechter Verzinsung. In meiner Praxis habe ich auch oft gesehen, dass das Geld einfach auf dem Girokonto liegen blieb, natürlich ohne jede Verzinsung. Ihre Abheberate können Sie dann gleich deutlich minimieren, denn das Kapital wird schon von der Inflation aufgefressen.

Keine Angst vor Aktien

Was ich Ihnen mit diesen Beispielen aufzeigen wollte ist, dass Sie keine Angst vor Aktien zu haben brauchen. Die Dividendentitel stellen vielmehr eine – mittlerweile – alternativlos gute Anlageklasse dar. Außerdem wissen Sie, dass ein ausgewogenes, breit gestreutes Depot notwendig. Und damit lassen sich 4% bis 5% pro Jahr an Ausschüttungen erzielen, auch ohne teure Rentenversicherung. Ach übrigens, fragen Sie doch mal Ihren Versicherungsberater, welche monatliche Rentenzahlung er Ihnen bei einer Einzahlung von EUR 100.000 in eine Rentenversicherung garantiert. Ich bin sicher, Sie werden diese Anlageform danach gedanklich schnell auf die Seite schieben.

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