Steuern im Ruhestand

Das Finanzamt fordert von immer mehr Ruheständlern eine Steuererklärung

Immer mehr Rentner müssen steuern bezahlen. Credit: Pixabay – hrohmann

Viele Ruheständler sind der Meinung, dass Sie keine (Einkommen-) Steuern mehr bezahlen müssen. Und das ist falsch, Renten gehören zu „sonstigen Einkünften“ und müssen versteuert werden. Seit dem Jahr 2005 sind 50% der Rente Steuer-pflichtig, jedoch steigt dieser Prozentsatz jährlich an. Wer 2019 in Rente geht muss bereits 78% versteuern, ab dem Jahr 2040 werden es 100% sein. Entscheidend ist das Jahr des Renteneintritts. Insgesamt müssen in Deutschland mittlerweile knapp fünf Millionen Rentner Steuern bezahlen.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Ich stelle in diesem Artikel verschiedene Dienstleistungen und Produkte vor. Dafür erhalte ich jedoch keine Provisionen oder sonstige Vergütungen. Dieser Artikel soll lediglich eine Übersicht bieten, was bei Steuern im Ruhestand zu beachten ist und welche Unterstützungs- oder Sparmöglichkeiten vorhanden sind. Auch stellt dieser Beitrag keine steuerliche Beratung dar.

Grundfreibetrag

Jeder Steuerpflichtige hat einen Grundfreibetrag von EUR 9.168 (Stand 2019), der regelmäßig erhöht wird. Bei Verheirateten gilt die doppelte Summe, also EUR 18.336. Dieser Betrag wird nicht versteuert. Neben der Rentenzahlung zählen jedoch auch andere Einkünfte wie Zinserträge oder Mieteinnahmen dazu. Für Beträge über dem Grundfreibetrag fallen Steuern zwischen 14% und 45% (ab über EUR 260.000) an.

Im Ruhestand Steuern sparen

Steuern reduzieren – wer informiert ist, kann viel Geld sparen. Credit: Pixabay – NeuPaddy

Steuern sparen im Ruhestand

Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen hat auch das Recht, Steuern zu sparen. Mit diesen Möglichkeiten können Sie Ihre Steuerlast reduzieren oder vielleicht sogar komplett vermeiden. Nutzen Sie diese Optionen, um damit mehr Liquidität zur Finanzierung Ihres Lebensunterhalts zu haben.

Vergünstigungen und Freibeträge nutzen

Das Finanzamt räumt auch Ruheständlern die Möglichkeit ein, bestimmte Ausgaben von der Steuer abzusetzen:

  • Werbungskostenpauschale EUR 102
  • Behindertenpauschbetrag (je nach Behinderungsgrad zwischen EUR 310 und EUR 1.420).
  • Sonderausgaben: Beiträge zur gesetzlichen und privaten Kranken- und Pflegeversicherung (allerdings ohne Zuschüsse von der Rentenversicherung)
  • Hierzu zählen auch Unterbringungskosten im Pflegeheim, sofern diese nicht von der Pflegekasse abgedeckt sind
  • Barrierefreie Umbauten, sofern diese wegen Krankheit oder Behinderung notwendig sind
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen, z.B. Putzfrau, Gärtner oder Handwerker (nur Lohn- aber keine Materialkosten)
  • Brillen, Hörgeräte, Medikamente oder Zahnersatz (nur wenn keine Rückerstattung von der Versicherung erfolgt)
  • Kosten für Steuerberatung (Steuerberater, Bücher, Software…)
  • Spenden oder Einzahlungen in Stiftungen

Falls Sie keine Spenden oder Sonderabgaben getätigt haben, können Sie eine “Sonderabgaben-Pauschale” von EUR 36 geltend machen.

Hierdurch lassen sich enorme Kosten absetzen, was jedoch kaum jemand macht. Nutzen Sie diese Möglichkeiten! Wichtig ist, dass Sie Rechnungen und Belege aufheben. Machen Sie dies auch, wenn Sie keine Steuererklärung abgeben. Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt vom Finanzamt dazu aufgefordert werden, kann dies sehr hilfreich sein.

Mit einem Freistellungsauftrag lässt sich Geld sparen

Erteilen Sie Ihrer Bank unbedingt einen Freistellungsauftrag. Credit: Pixabay – Falco

Freistellungsauftrag nutzen

Alleinstehende haben einen “Sparerpauschbetrag” von EUR 801 pro Jahr, bei Verheirateten (mit gemeinsamer Veranlagung) verdoppelt sich dieser Betrag auf EUR 1602. In dieser Höhe können Sie einen Freistellungsauftrag bei einer oder mehreren Banken erteilen, der Gesamtbetrag darf jedoch nicht überschritten werden. Für Kapitaleinkünfte (z.B. Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne) in dieser Höhe wird dann nicht die 25% Abgeltungsteuer (zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) eingezogen. Sollten Sie es versäumt haben einen Freistellungsauftrag zu erteilen können Sie zu viel bezahlte Steuern durch die Einkommensteuererklärung wieder vom Finanzamt zurückfordern.

Eine Steuererklärung kann ebenfalls sinnvoll sein, wenn Ihr persönlicher Steuersatz unter 25% liegt. Auch bei Kapitalerträgen gilt der persönliche Steuersatz: Sie können zu viel bezahlte Beträge zurückerstattet bekommen.

Nichtveranlagungsbescheinigung

Wer dauerhaft ein Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags hat sollte eine Nichtveranlagungsbescheinigung (“NV Bescheinigung”) beantragen. Die NV Bescheinigung gilt jeweils für drei Jahre, entsprechende Formulare erhalten Sie direkt bei Ihrem Finanzamt oder auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums. Wenn Sie die NV Bescheinigung bei Ihrer Bank abgeben, zieht diese keine Abgeltungsteuer mehr auf Kapitalerträge ab.

Durch eine Einkommensteuererklärung können zu viel gezahlte Steuern zurückgefordert werden.

Immer mehr Rentner müssen eine Einkommensteuererklärung abgeben.
Credit: Pixabay – yourschantz

Steuererklärung erstellen

Ihre Steuererklärung können Sie auf vielfältige Arten erledigen. Die bequemste ist wohl gleichzeitig die teuerste: der Gang zum Steuerberater. Eine preisgünstige und qualitativ ebenfalls hochwertige Beratung bietet die „Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.“, ein Verein mit 950.000 Mitgliedern. In Deutschland gibt es 1.500 lokale Beratungsstellen. Wer sich dort beraten lassen möchte muss im Mitglied sein. Die Jahresgebühr richtet sich nach dem Einkommen des letzten Jahres. Wer weniger als EUR 10.000 hatte bezahlt EUR 39 p.a., bei einem Einkommen von über EUR 120.000 fällt der Höchstbetrag von EUR 330 p.a. an. Aktuell läuft eine Sonderaktion für Rentner. Wer bis 31.12.2019 Mitglied wird, bezahlt keine Aufnahmegebühr.

Neben der Beratung durch Spezialisten können Sie die Einkommensteuererklärung natürlich auch selbst erledigen. Dazu bietet sich die Unterstützung durch Steuer-Software an:

Fazit

Steuern sind komplex und schrecken viele Menschen ab. Es lohnt sich aber, “die Steuer zu steuern”, da hierdurch viel Geld eingespart werden kann. Falls Sie dies nicht selbst machen möchten sollten Sie auf einen Spezialisten zurückgreifen, der Sie dabei unterstützt. Wer mehr über Steuern im Ruhestand erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch „Alles, was Sie über Steuern im Ruhestand wissen müssen“ von Wolf-Dieter Tölle.

  • Lieber Florian, ich musste schmunzeln- dein Ansatz ist aufgrund deiner aktuellen Ausbildung sehr theoretisch- wenn du möchtest können wir gerne mal gemeinsam Mittagessen- Praktikeraustausch😉. Ein Rentner der bisher keine Steuererklärung abgegeben hat braucht in der Regel keinen Finanzplaner- die vermögenden Rentner haben Inder Regel StB außer diejenigen die meinen sowieso alles besser zu wissen😊. Und dann der Bürokram, viele wollen nicht jede Quittung sammeln wegen eventueller Steuerersparnis von Kleinbeträgen😊LG und pass mit Steuertipps auf ich kenne Kollegen die reagieren unwirsch 😎

    • Lieber Jürgen, danke für Deinen Kommentar. Ich kenne einige Fälle – gerade von Bewohnern in Seniorenanlagen oder Pflegeheimen – wo sich niemand um eine Steuererklärung kümmert. Durch den großen Anteil an Pflegekosten und “haushaltsnahen Dienstleistungen” könnte die Steuer oft komplett vermieden werden, nur es macht kaum jemand eine Steuererklärung. Die meisten Menschen können das natürlich nicht mehr selbst machen, darum sehe ich meinen Beitrag auch als Anstoß für Angehörige, das Thema anzugehen. Mir liegt es auch nicht daran, Steuerberater schlecht dastehen zu lassen, im Gegenteil. Wenn Ihr in solchen Fällen eingebunden werdet, wäre das zum Vorteil aller. Herzliche Grüße, Florian

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