Unterschiede zwischen Investmentfonds und ETFs

Was sind die Unterschiede zwischen Investmentfonds und ETFs?

Zwischen ETFs und den klassischen Investmentfonds ist mittlerweile ein regelrechter Glaubenskrieg entfacht worden. Meiner Meinung nach haben beide Segmente ihre Daseinsberechtigung. Die Pro- und Contra-Argumente der jeweiligen Lager wollen wir nun gemeinsam analysieren. Sehen wir uns die Unterschiede zwischen ETFs und Investmentfonds an.

Argumente für Investmentfonds

Investmentfonds werden aktiv gemanagt

Fondsmanager kaufen nur Wertpapiere mit positiver Prognose

Die Befürworter von klassischen Investmentfonds führen folgende Argumente an:

  • Durch das aktive Management des Fondsmanagers besteht die Chance einer Outperformance. Also eine bessere Rendite zu erwirtschaften, als es bei einem reinen Index-Produkt (wie einem ETF) der Fall wäre.
  • Die Fondsgesellschaft bzw. deren Fondsmanager vertritt als Aktionärin die Rechte der Fondseigner gegenüber den Unternehmen. Sie wirkt so auch – im Sinne einer Qualitätssteigerung – auf das Management der Aktiengesellschaften ein. ETFs machen dies aufgrund ihres passiven Anlagestils nicht, sie bilden nur den Index ab.
  • Fondsmanager analysieren Unternehmen und beobachten die Aktivitäten der Vorstände genau. Dies sensibilisiert auch die Unternehmenslenker. Sie sind darauf angewiesen, Fondsgesellschaften von ihrer Strategie zu überzeugen, damit diese in die Aktien kaufen. Das treibt den Aktienkurs nach oben und damit die Bonuszahlungen der Manager. ETFs hingegen tun dies nicht, da sie versuchen den Index abzubilden, unabhängig davon, ob das einzelne Unternehmen gut wirtschaftet oder eben nicht. Ohne diesen Mechanismus würden die Kapitalmärkte nicht mehr richtig funktionieren.
  • Durch das aktive Management werden nur Aktien erworben, die eine positive Prognose aufweisen. ETFs hingegen treiben durch ihr passives Management auch schlechte Aktien nach oben, nur weil diese im Index enthalten sind. Im Umkehrschluss würden auch Aktien mit positiver Zukunftsprognose „nach unten geprügelt“, nur weil sie der allgemeine Markt nach unten bewegt. Die natürliche Kursbewegung von Aktien – eben aufgrund von guten oder schlechten Prognosen – wird damit komplett außer Kraft gesetzt.
  • Eine natürliche Marktauslese bei Unternehmen findet nicht mehr statt, deren Geschäftsmodell nicht mehr zukunftsfähig ist (denken Sie z.B. an Banken seit der Finanzkrise). Beim Einzelaktien würde der Markt dafür sorgen, dass der Kurs an Wert verliert. Bei einem ETF hingegen könnte die Aktie sogar steigen, nur weil der durchschnittliche Markt nach oben geht.
  • Die unbegrenzte Handelbarkeit von ETFs verleitet Anleger zu einem prozyklischen Verhalten und kann damit Herdentriebe noch weiter verstärken. Gerade in schnellen Abwärtsbewegungen können ETFs als Brandbeschleuniger fungieren. Als Beispiel kann der „ETF-Flash-Crash“ genannt werden. Am 24.08.2015 stürzten an der amerikanischen Börse die Kurse von ETFs deutlich unter ihre zugrundeliegenden Indizes. Dieser Effekt rief sogar die Börsenaufsicht und den Internationalen Währungsfonds auf den Plan. Dieses Ereignis zeigt, dass ETFs, gerade in Extremsituationen, nicht immer 1:1 den Index abbilden können. Dumm für Anleger, die gerade zu dieser Zeit ihren ETF verkaufen wollen.

Argumente für ETFs

Die ETF-Anhänger entgegnen, dass

  • die meisten aktiven Fondsmanager ihre hohen Gebühren nicht rechtfertigen, in dem sie keinen echten Mehrwert für Anleger im Sinne einer besseren Rendite als der Markt erwirtschaften.
  • Es besser ist, langfristig in kostengünstige ETFs zu investieren als fortlaufend zwischen Einzelwerten und Fonds zu switchen, was i.d.R. keine bessere Rendite, wohl aber höhere Kosten mit sich bringt.

Was ist besser: ETFs oder Investmentfonds?

Die Unterschiede zwischen ETFs und Investmentfonds haben wir nun ausgiebig betrachtet. Stellen wir beide Seiten gegenüber, um ein Fazit zu ziehen:

 InvestmentfondsETFsBewertung
Investmentstil„aktiv“, d.h. der Fondsmanager versucht Wertpapiere zu kaufen, die sich besser als der Marktdurchschnitt entwickeln.„passiv“, d.h. der ETF bildet die Wertentwicklung eines Index nahe 100% ab. Neutral
Chance auf Mehrrendite gegenüber dem MarktVorhanden, auch wenn dies von den meisten Fonds nicht erreicht wird. Grund hierfür sind auch die hohen Gebühren.Neutral. Der ETF möchte den Markt „nachzeichnen“, daher sind weder bessere noch schlechtere Entwicklung möglich.Da nur etwa 20% der Fonds besser als der Markt sind Vorteil für die ETFs.
KaufgebührenAktienfonds 5%
Rentenfonds 3%
Immobilienfonds 5%
Bankgebühren wie beim Kauf für Wertpapiere.Klarer Vorteil für die ETFs.
Laufende Kosten pro Jahr1,0% bis 2,5%. Aktienfonds sind teurer als Rentenfonds.0,05% bis 1,0%. Je größer, desto günstiger.ETFs sind deutlich preiswerter.
HandelbarkeitRückgabe i.d.R. täglich möglich, große Fonds sind oft auch börsennotiert.Fortlaufend möglich.Ähnlich, kleiner Vorteil für ETFs aufgrund der besseren Handelbarkeit.
Insolvenz des ProduktanbietersFonds fallen nicht in die Insolvenzmasse, sondern stehen dem Kunden zu.ETFs fallen nicht in die Insolvenzmasse, sondern stehen dem Kunden zu.neutral
Besondere RisikenDas Risiko liegt in der Person des Fondsmanagers, indem dieser den Fonds schlecht verwaltet.Bei synthetischen ETFs kann einer der unterlegten SWAPs platzen und hierdurch deutliche Kursverluste entstehen.kein Vergleich möglich, da die Risiken unterschiedlich sind

Das Fazit

Insgesamt liegen die Vorteile klar bei ETFs. Investmentfonds haben ihre Daseinsberechtigung, wenn sie langfristig eine bessere Rendite als der Markt erzielen. Dies gelingt den meisten Produkten nicht. Wer damit leben kann, dass ETFs – in Extremsituation – auch von der Notierung des Index abweichen und das (aus meiner Sicht geringe) Risiko eines SWAP-Verlustes akzeptiert, ist mit ETF’s besser aufgehoben.

 

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April 25, 2019

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