Einlagensicherung bei Bankpleiten

Die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers verschärfte die Finanzkrise

Die Lehman-Pleite 2008 kostete deutsche Anleger bis zu 1 Milliarde Euro. Credit: Pixabay

Die Pleite der amerikanischen Großbank Lehman Brothers ist heute am 15.09.2018 genau zehn Jahre her. Damals war es für mich kaum vorstellbar, dass der amerikanische Staat eine Bank wie Lehman Brothers pleite gehen lässt. Doch wieder einmal hat uns die Realität eines Besseren belehrt. Die US-Regierung lies die Investmentbank in die Insolvenz gehen. Dadurch verschärfte sich zusätzlich die seit 2007 brodelnde Finanzkrise und brachte das Fass letztendlich zum überlaufen. Eine ausgeprägte weltweite Rezession und in weiterer Folge auch die Eurokrise resultierten daraus. Es kamen kritische Fragen über die Einlagensicherung auf.

In Deutschland waren von der Lehman-Pleite ungefähr 50.000 Anleger betroffen. Ihnen wurde von Banken Zertifikate der amerikanischen Bank im Gegenwert von geschätzt bis zu einer Milliarde Euro verkauft. Viele davon betroffene Menschen erlitten Totalverlust, einige erhielten – zum Teil nach jahrelangen Gerichtsprozessen – geringe Teilbeträge zurückerstattet. Nicht selten war dieses Geld als Altersvorsorge von Arbeitern oder einfachen Angestellten vorgesehen.

Ich will diesen traurigen Jahrestag zum Anlass nehmen und einen Blick darauf werfen, ob eine solche Situation wieder geschehen könnte. Und falls ja, was sind die Auswirkungen für Privatanleger. Generell muss gesagt werden, dass die Politik reagiert hat. So wurde die Eigenkapitalanforderungen für Banken erhöht und auch Kreditvergabeprozesse strengeren Anforderungen unterworfen. Auch in der Anlageberatung müssen Kunden heute wesentlich detaillierter über Risiken und Gefahren aufgeklärt werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war. An manchen Stellen ist schon eine deutliche Überregulierung vorhanden. Insgesamt aber eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Zeitpunkt vor der Finanzkrise.

Kann es deshalb ausgeschlossen werden, dass eine Bank pleite geht? Nein, das ist leider nicht so. Allerdings sind Sicherungsmechanismen und Frühwarnsysteme eingerichtet worden, die eine Insolvenz unwahrscheinlicher macht bzw. rechtzeitiger darauf hinweist. Welche Prozesse genau bei einer Bankpleite ablaufen und wie Anleger geschützt sind, wollen wir uns nun im Detail ansehen.

Einlagensicherung bis zu EUR 100.000

Jedes Kreditinstitut mit Vollbanklizenz ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben Mitglied in einem Einlagensicherungssystem. Neben der gesetzlichen Einlagensicherung bestehen noch Sicherungssysteme der einzelnen Bankengruppen, z.B. der Sparkassen oder Genossenschaftsbanken. Zu beachten ist, dass Kunden reiner Wertpapierhandelsbanken oder andere Finanzdienstleister nur die geringere Anlegerentschädigung (EUR 20.000) in Anspruch nehmen können. Bestimmte Banken bieten neben der gesetzlichen Einlagensicherung noch zusätzliche Sicherungssysteme der jeweiligen Bankengruppe an. Diese greifen dann auch – entsprechende Rücklagen vorausgesetzt – über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus.

Mittlerweile ist die Einlagensicherung EU-weit harmonisiert worden, pro Bank (mit Vollbanklizenz) sind pro Kunde (nicht Konto!) EUR 100.000 garantiert. Im Falle eines Gemeinschaftskontos mit zwei Kontoinhabern demnach zwei Mal EUR 100.000 = EUR 200.000.  In bestimmen Ausnahmefällen (die Sie allerdings nachweisen müssen, wie z.B. das Geld stammt aus einem privaten Immobilienverkauf oder aus einer fälligen Lebensversicherung) gilt dies auch für einen Betrag bis zu EUR 500.000. Dies gilt jedenfalls, wenn das Geld auf einem Giro-, Spar- oder Festgeldkonto liegt.

Anlegerentschädigung bis zu EUR 20.000

Etwas anders stellt sich wiederum der Sachverhalt dar, wenn das Geld aus Wertpapierverkäufen, -tilgungen oder –zinszahlungen stammt (also ein „Wertpapierverrechnungskonto“). Hier gilt dann nur die so genannte „Anlegerentschädigung“, die Sicherung greift nur bis zu maximal EUR 20.000 und maximal 90% der Gesamtsumme. Ein Beispiel: Sie erhalten EUR 50.000 aus einer fälligen Anleihe zurück auf Ihr Wertpapierverrechnungskonto gebucht. Die Bank muss Insolvenz anmelden. In diesem Fall bezahlt die Sicherung nur EUR 20.000 (= Rückzahlungsbetrag EUR 50.000 * 90% = EUR 45.000, gedeckelt auf maximal EUR 20.000). Wenn Sie also momentan nicht in Wertpapiere investieren möchten ist empfehlenswert, das Geld auf einem Tagesgeldkonto zu parken und nicht auf dem Wertpapierverrechnungskonto stehen zu lassen.

 

Klingt doch eigentlich ganz gut, mögen Sie sich nun denken, meine Spareinlagen sind pro Bank bis zu EUR 100.000 staatlich garantiert. Die Banken stellen die Einlagensicherung gerne werbewirksam ins Schaufenster, denn diese Summe wirkt auf viele Anleger beruhigend. Doch auch hier trügt der Schein. Wenn wir uns eine Ebene tiefer begeben sieht es längst nicht mehr so positiv aus. De facto ist es so, dass die Einlagensicherung nicht vom jeweiligen Staat, in dem die Bank ihren Sitz unterhält, garantiert wird. Stattdessen gewährleistet dies die jeweilige lokale Sicherungseinrichtung, die von den einzelnen EU-Staaten hierfür eingesetzt wurde. Und nur gegen diese können Sie im Zweifelsfall Ihre Ansprüche einklagen.

Entschädigungseinrichtung deutscher Banken

In Deutschland ist dies die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (“EDB”), also eine Gesellschaft, deren Haftung auf ihr Eigenkapital beschränkt ist. Die Tochter des Bundesverbands deutscher Banken e.V. wurde vom Bundesfinanzministerium beauftragt, die gesetzliche Einlagensicherung und Anlegerentschädigung für private Banken in Deutschland zu führen. Es ist öffentlich nicht bekannt, wie hoch die Sicherungseinrichtung der EdB ist. Hierüber wird viel diskutiert, konkrete Aussagen des Unternehmens sind nicht vorhanden.

Wenn wir die Kundeneinlagen von zwei großen in Deutschland tätigen Banken betrachten, nämlich der Comdirect (18,5 Milliarden Euro) und der ING Diba (128,9 Milliarden Euro) können Sie erahnen, welche Dimensionen eine Insolvenz dieser Banken annehmen könnte.  Ob die EdB in der Lage ist, dies zu stemmen, bleibt fraglich.

Natürlich muss ergänzt werden, dass nicht die komplette der hier angeführten Kundenvolumen unter den Schutz der EdB fallen würden, da sicherlich auch einige Konten mit mehr als EUR 100.000 ausgestattet sind. Trotzdem ist es äußert wahrscheinlich, dass der Rettungsschirm bei der Pleite einer dieser Banken bei weitem nicht zur Befriedigung der Anlegeransprüche ausreichen würde.

Wertpapiere sind Sondervermögen

Wertpapiere sind übrigens Sondervermögen, sie stehen nicht in der Bankbilanz sondern gehören dem Kunden. Die Bank verwahrt sie lediglich für den Kunden. Im Falle eines Bankinsolvenz müssen sie direkt an den Kunden ausgesondert werden und fallen nicht in die Konkursmasse. Doch auch hier gibt es Ausnahmen:

  • Wertpapiere sind als Sicherheiten für Kredite zu Gunsten der Bank verpfändet
  • Inhaberschuldverschreibungen oder Genussscheine von Banken, die sie in ihrem Wertpapierdepot dieser Bank halten, sind nicht abgesichert
  • Index- oder Anlagezertifikate sind Schuldverschreibungen! Für sie gilt daher ebenfalls die vorab genannte Regelung.

Bail-in Verfahren

Das so genannten „Bail-in-Verfahren“ wurde 2015 eingeführt. Dadurch gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Sofern Sie als Gläubiger (z.B. Anleihen wie Inhaberschuldverschreibungen und damit auch Indexzertifikaten), Inhaber relevanter Kapitalinstrumente (z.B. nachrangige Anleihen) oder Anteilseigner der Bank (z.B. Aktien) sind, können Sie im Falle einer Bankabwicklung an den Verlusten beteiligt werden! Fragen Sie dazu am besten bei Ihrem Berater der jeweiligen Bank nach. Die Banken müssen Sie über diese „Bail-in-Risiken“ gesondert aufklären.

Mindest-Eigenkapitalquote vorgeschrieben

Wie können Sie nun als Privatanleger feststellen, wie es um die Sicherheit Ihrer Bank bestellt ist? Der Gesetzgeber sieht vor, dass Banken eine so genannte „harte Eigenkapitalquote“ von mindestens 8,00% vorhalten müssen. Hierzu zählen z.B. die ausgegebenen Aktien oder auch Einlagen von Gesellschaftern. Die Europäische Zentralbank (EZB) führt regelmäßig so genannte „Stresstests“ durch. Dabei wird eine starke Wirtschaftskrise simuliert und überprüft, welche Banken (> EUR 30 Milliarden Bilanzsumme) dabei in Zahlungsschwierigkeiten geraten würden. Bei diesen Tests bestanden die meisten deutschen Banken, da hierbei eine Eigenkapitalquote von mindestens 5,5% – nach dem simulierten Krisenfall – übrig bleiben musste.

Viele Banken erhöhten daraufhin ihr Eigenkapital, z.B. durch die Ausgabe neuer Aktien, z.B. bei der Deutschen Bank im Jahr 2017. Nichts desto trotz standen immer wieder Banken in der Kritik der EZB bzw. des Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (“BaFin”) aufgrund einer geringen Eigenkapitalquote, so

Bankenaufsicht überwacht

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die BaFin deutsche Banken streng überwacht und beaufsichtigt. Im Falle der Commerzbank sprang der Staat ein und sicherte mit entsprechenden Kapitaleinlagen die Zahlungsfähigkeit der Bank. Dies ist natürlich keine Garantie, dass keine deutsche Bank Pleite geht. Auch die Titanic galt als unsinkbar, das Ergebnis ist bekannt. Seien Sie also vorsichtig und hinterfragen Sie die Sicherheit und Stabilität Ihrer Bank.

Tipps zum Schutz Ihrer Anlagen

  • Lassen Sie sich vor Eröffnung eines Kontos die Sicherungseinrichtungen der Bank bzw. des dazugehörigen Banksystems erklären und auch entsprechende Unterlagen hierzu aushändigen
  • Hinterfragen Sie die Eigenkapitalquote der Bank
  • Parken Sie pro Bank nicht mehr als EUR 100.000, bei Gemeinschaftskonten nicht mehr als EUR 200.000 (Achtung, dies gilt für Kontoguthaben! Bei Wertpapieranlage können Sie mehr anlegen, da dies als Sondervermögen gilt)
  • Wenn Sie höhere Einlagen bei einer Bank halten wollen, achten Sie darauf, dass diese eine möglichst hohe Eigenkapitalquote hält
  • Wenn Sie momentan keine Wertpapiere handeln übertragen Sie die Liquidität des Verrechnungskontos auf ein Tages- oder Festgeldkonto

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Internetseite der BaFIN: Schieflage einer Bank oder einer Versicherung – was Sie als Kunde wissen müssen!

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