Was ist ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament muss regelmäßig überprüft werden, ob es noch zur aktuellen familiären Situation passt.

Das Berliner Testament ist für Paare im zweiten Lebensabschnitt gut geeignet. Credit: Pixabay.

Als „Berliner Testament“ wird ein gemeinschaftliches Testament zwischen Ehepartnern oder eingetragenen Lebenspartnern verstanden. Es ist die in Deutschland am meisten verbreitete Form des Testaments. Für unverheiratete Paare ist es nicht möglich, ein Berliner Testament zu erstellen. Die beiden Partner setzen sich dabei gegenseitig als Alleinerben ein. Das bedeutet, dass der länger lebende den zuerst versterbenden Partner alleine beerbt. Erst wenn der zweite Partner verstirbt werden (in der Regel) die gemeinsamen Kinder als Erben eingesetzt. Ohne das Berliner Testament würde der Partner ½ (gesetzliche Erbfolge bzw. Zugewinngemeinschaft) oder sogar nur ¼ (Gütertrennung mit mehr drei oder mehr Kindern) erben.

Diese Testamentsform ist sinnvoll im zweiten Lebensdrittel, insbesondere bei minderjährigen Kindern. Da ein Partner als Familienversorger und Elternteil mit seinem Tod entfällt soll der andere Partner zumindest in finanzieller Hinsicht so gut als möglich abgesichert sein. Außerdem ist die mitunter aufwändige gerichtliche Abstimmung für die Verwaltung des Vermögens minderjähriger Erben (gerade bei Immobilie oder Unternehmensanteilen) nicht notwendig. Im Falle einer Scheidung wird das Berliner Testament ungültig.

Nachteilhaft ist, dass das Testament nach dem Tod des ersten Partners nicht mehr verändert werden kann (eine Ausnahme besteht, wenn „Befreiungsklauseln“ eingebaut wurden). Nachdem die gemeinsamen Kinder volljährig geworden und auch finanziell auf eigenen Beinen stehen, kann das Berliner Testament auch aus steuerlicher Sicht unvorteilhaft werden. Der länger lebende Partner ist in dieser Situation meistens finanziell abgesichert und benötigt nicht das komplette Erbe des zuerst versterbenden Partners.

Bei einem Vermögen oberhalb der Freibeträge, also mehr als EUR 500.000 bei Ehegatten (zusätzliche Steuerfreibeträge wie den Zugewinnausgleich lassen wir einmal außen vor), fällt Erbschaftsteuer an. Diese könnte verringert bzw. ganz vermieden werden, wenn die über die Freibeträge hinausgehenden Beträge direkt an die Kinder vererbt werden, die wiederum die eigenen Freibeträge nutzen können.

Wichtiger Hinweis: lassen Sie sich zur Erstellung eines Testaments auf jeden Fall von einem Notar oder Fachanwalt für Erbrecht beraten. Ich darf rechtlich nicht beraten, weiß aber um die Probleme aus der Praxis, wenn die Vermögensnachfolge nicht geregelt ist. Hierdurch drohen Verlust von Vermögenswerten, Ärger und Streit in der Familie oder auch das Risiko, dass das Erbe nicht bei den Menschen landet, die Sie hierfür vorgesehen haben.

August 8, 2018

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