einBlick: Schützt Gold auch jetzt vor Krisen und Inflation?

Börsenturbulenzen und hohe Inflation lassen Anleger nach einem sicheren Hafen Ausschau halten.

Aussichtsreicher Kandidat für viele Anleger und Experten ist Gold. Immerhin ist der Wert des Edelmetalls über die Jahrhunderte sehr stabil geblieben und konnte gerade in Krisenzeiten immer wieder die Aktienmärkte schlagen. Ob sich Gold auch aktuell als Schutz vor Krisen und Inflation eignet und welche Anlagemöglichkeiten es gibt, möchten wir in diesem Newsletter näher beleuchten.

Gold wird häufig als die härteste Währung der Welt bezeichnet. Schaut man sich die Entwicklung über vergangene Jahrhunderte oder gar Jahrtausende an, scheint da etwas dran zu sein. Egal ob im Jahr 2022, 1900 oder sogar zur Zeit von Christi: Für ein Gramm Gold kann oder konnte man sich etwa die gleiche Menge Brot kaufen. Schaut man hingegen auf Euro oder Dollar, verloren diese schon innerhalb weniger Jahrzehnte einen großen Teil ihrer Kaufkraft. Gleichzeitig sollte man aber nicht verschweigen, dass auch Gold über kürzere Zeiträume stark schwanken kann. Laut einer Studie des Ökonomen Campbell Harvey von der Duke University behält Gold nur über Zeiträume von mehr als 100 Jahren verlässlich seine Kaufkraft. Einen Anlagehorizont den wohl kaum ein Anleger anstrebt.

In Krisenzeiten an den Börsen konnten sich Edelmetalle aber immer wieder hervortun. Während die Aktienmärkte nach dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase in 2000 oder in der Finanzkrise ab 2007 deutliche Verluste verzeichneten, konnten Gold und Silber sogar zulegen. Betrachtet man den Zeitraum seit der Jahrtausendwende, konnte Gold die Aktienmärkte insgesamt abhängen. Über die letzten knapp 22 Jahre stieg der Goldpreis jährlich um etwa 9 Prozent, der Aktienmarktindex „MSCI World“ aber nur um etwas mehr als 5 Prozent. Ist Gold also das Mittel der Wahl, um im aktuellen Marktumfeld zu bestehen? Immerhin haben der Ukraine-Krieg und steigende Leitzinsen die Aktienkurse seit Jahresbeginn stark schwanken lassen. Die Inflation liegt in den USA inzwischen bei 8,6 Prozent und in der EU bei 8,1 Prozent.

Schaut man nur auf das aktuelle Jahr, konnte Gold die Inflation jedenfalls nicht ausgleichen. Der Goldpreis liegt über die letzten 6 Monate zwar leicht im Plus und schlug damit die meisten Aktienmärkte, einen Inflationsausgleich konnte aber auch das Edelmetall nicht liefern. Diese Entwicklung passt zu langfristigen Studien zum Verhältnis von Gold und Inflationsraten. Betrachtet man hierzu die letzten 50 Jahre, zeigt sich, dass es nahezu keine Beziehung zwischen den beiden Werten gab. Steigt die Inflation, bedeutet dies also nicht notwendigerweise eine Überrendite von Edelmetallen. Als Einzelanlage für eine kurzfristige Absicherung gegen die Geldentwertung ist Gold damit zu unzuverlässig und volatil.

Trotzdem gibt es Argumente, warum Gold auch aktuell eine attraktive Beimischung für Anlegerportfolien sind. Hervorzuheben ist hierbei die erwartete Nachfragesteigerung aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese haben im Vergleich zu den Industrienationen (gemessen am Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) noch relativ geringe Goldbestände aufgebaut. Laut einer Umfrage des „World Gold Council“ aus London gehen Zentralbanken aus den Emerging Markets von einer Ausweitung der Reserven über die nächsten Jahre aus. Dies könnte den Goldpreis weiter beflügeln. Setzt man als Anleger auf diese Preissteigerungen oder zunehmende Turbulenzen an den Aktienmärkten, bleibt noch die Wahl des passenden Mittels.

Eine Möglichkeit ist der Kauf von Goldbarren oder Goldmünzen über Banken und spezialisierte Edelmetallhändler. Der physische Kauf hat dabei den Vorteil, das Gold auch tatsächlich in den eigenen Händen zu halten. Allerdings obliegt dann auch die Aufbewahrung dem Anleger selbst. Ob zu Hause oder im kostenpflichtigen Bankschließfach. Nachteil ist die schwierigere Handelbarkeit der Barren und Münzen. Einige Banken verkaufen zwar Gold an ihre Anleger, kaufen dieses aber nicht zurück – oder nur mit deutlichen Abschlägen. Da Goldhändler auch keine besondere Zulassung benötigen, ist die Wahl des richtigen Anbieters nicht einfach. Das Risiko an einen unseriösen Goldhändler zu geraten, ist nicht zu vernachlässigen. Die Unterstützung durch einen Berater kann hier im wahrsten Sinne des Wortes „Gold wert sein“.

Unkomplizierter ist der Handel mit Goldfonds, Gold-ETCs oder Goldzertifikaten. Diese sollen den Goldpreis möglichst exakt nachbilden und können jederzeit über die Börse gehandelt werden. Die höhere Liquidität ist aber in der Regel auch mit Kosten verbunden. Je nach Produkt können Gebühren für das Fondsmanagement, die Börsen oder Transaktionen anfallen. Zudem besteht bei ETCs und Zertifikaten auch immer ein Emittentenrisiko. Sollte der Produktanbieter zahlungsunfähig werden, kann dies also einen Totalverlust für Anleger bedeuten.

Eine eher indirekte Möglichkeit von steigenden Goldpreisen zu profitieren, ist ein Investment in Goldminen-Aktienfonds. Man beteiligt sich dabei an Unternehmen, die Minen besitzen und selbst Gold schürfen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Korrelation zwischen den Kursen von Goldaktien und dem Goldpreis zwar hoch, aber nicht perfekt ist. Gibt es Probleme in der Produktion oder arbeitet ein Goldförderer nicht profitabel, können entsprechende Aktien auch fallen, obwohl die Goldpreise im gleichen Zeitraum steigen. Findet gerade ein genereller Ausverkauf an den Aktienmärkten statt, kann dies ebenfalls Goldminen-Aktien in Mitleidenschaft ziehen. Dies gilt allerdings auch mit umgekehrten Vorzeichen.

Die Kosten von Goldminen-Aktienfonds entsprechen den üblichen Gebühren. Die Anlageform bringt aber auch den Vorteil des Status als „Sondervermögen“ mit sich. Ein Emittentenrisiko wird damit ausgeschlossen. Auch eine weitere Schwäche von direkten Gold-Investments hat diese Anlagemöglichkeit nicht: Gold an sich erwirtschaftet keine regelmäßigen Ausschüttungen. Minenunternehmen zahlen hingegen Dividenden, die an Investoren ausgeschüttet werden und einen Risikopuffer darstellen. Grundsätzlich ist es aber für Anleger schwierig einzuschätzen, ob Goldaktien im Vergleich zum Edelmetallpreis mittel bis langfristig günstig bewertet sind und damit einen Vorteil zu direkten Goldinvestments darstellen können. Die Entscheidung sollte daher ausführlich mit einem Berater besprochen werden.

Fazit

Betrachtet man sehr lange Zeiträume von mehr als 100 Jahren, konnte Gold seinen Status als härteste Währung der Welt bestätigen. Über kürzere und für Anleger relevantere Zeithorizonte, kann der Preis allerdings auch stark schwanken und bietet nicht in jedem Umfeld einen verlässlichen Schutz vor Krisen oder Inflation. Trotz der aktuell historisch hohen Bewertung von jenseits der 1.800 US-Dollar pro Unze kann Gold aber ein wichtiger Bestandteil eines jeden Portfolios sein. Die Unabhängigkeit von den Aktienmärkten und der Status als „sicherer Hafen“ machen Gold zu einem wichtigen Instrument für eine breite Diversifikation im Portfolio. So bieten sie eine passende Ergänzung zu anderen Depotbestandteilen, die üblicherweise der Absicherung dienen, wie Anleihen, Liquidität oder Immobilienfonds.

 

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Martin Steinmeyer, Heidenkampsweg 73, 20097 Hamburg

 

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Ukraine-Krise

Ukraine-Krise

Russland hat die Ukraine überfallen. Dies hat auch Auswirkungen für Kapitalanleger.

Ukraine-Krise – Auswirkungen für Kapitalanleger

Neben den schrecklichen Folgen der russischen Invasion für die ukrainische Bevölkerung hat dies auch Auswirkungen für Kapitalanleger, wenn diese auch natürlich deutlich unbedeutender sind. Trotzdem werden diese auch ihre Spuren hinterlassen. Ich habe dazu auch am 24.02.2022 einen Vortrag gehalten, die Aufzeichnung können Sie hier ansehen.

Marktreaktionen

Die Kapitalmärkte reagierten unmittelbar auf den russischen Angriffen, waren zuvor aber auch schon nervös. Diese Angaben beziehen sich auf den 25.02.2022, 11:00 Uhr.

  • Die westlichen Aktienmärkte verloren rund 5%, in Osteuropa ca. 10%, der russische Index RTS gab über 30% nach
  • Anleger kauften Staatsanleihen zur Absicherung, die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen der BRD und der USA verloren 0,10%
  • Der Preis für das Brent Rohöl notiert bei 100 US Dollar (+50% seit November 2021)
  • Der Euro legte gegenüber dem russischen Rubel auf Wochenfrist um 7% zu
  • Gold (als sicherer Hafen) verteuerte sich auf 1.910 US Dollar
  • Rohstoffe stiegen deutlich an, so befinden sich Nickel und Aluminium auf 10-Jahres-Hochs
  • Landwirtschaftliche Güter, insbesondere Weizen (+13% ggü. der Vorwoche), verteuerten sich stark

Historische Einordnung: Aktienmärkte und Kriege

Ein Blick in die Vergangen zeigt, dass die Aktienmärkte bei militärischen Konflikten innerhalb von ein bis drei Wochen rund 15% an Wert verlieren, allerdings innerhalb von sechs Monaten (nach den Tiefständen) deutlich ins Plus drehen.

Ereignis Jahr Dauer Einbruch in Tagen Stärke des Kurs-einbruchs Performance nach 6 Mon. ggü. Tief
Frankreichfeldzug 1940 13 -17,1% 7,0%
Korea-Krieg 1950 20 -12,0% 19,2%
US-Bombardierung von Kambodscha 1970 27 -14,4% 20,7%
Invasion des Irak in Kuwait 1990 21 -13,3% 16,3%
Anschläge vom 11. September 2001 5 -16,0% 30,0%

Die Daten beziehen sich auf den “Dow Jones Industrial Average”. Darstellung in Anlehnung an godmode-trader.de.

Unabhängig davon gilt die Aktie für langfristige Anleger als interessante Anlageform, wenn gleich zwischenzeitlich mit deutlichen Kursrücksetzern gerechnet werden muss.

Reaktionen des Westens und deren Auswirkungen

Die westlichen Staaten ergriffen als Reaktion auf die russische Aggressionen verschiedene Sanktionsmaßnahmen, u.a. die (vorübergehende) Nichtinbetriebnahme der “Gaspipeline Nordstream 2”. Aus Sicht eines Kapitalanlegers dürfte von besonderer Bedeutung sein, dass womöglich russische Wertpapiere vom Handel in der EU ausgeschlossen werden. Dies wird es für russische Unternehmen deutlich erschweren, Kredite in Form von Anleihen aufzunehmen bzw. Aktiengesellschaften Eigenkapital  zu generieren. Im Umkehrschluss werden aber Anleihen-Gläubiger und Aktionäre keine Möglichkeit mehr haben, sich an EU-Börsen von ihren Wertpapieren zu trennen. Verschieden russischen (Tochter)Banken soll die Zulassung in der EU entzogen werden. Dies kann Auswirkungen für Anleger haben, die bei diesen Banken z.B. Tagesgelder unterhalten.

Da b.a.w. keine fossilen Brennstoffe mehr aus Russland importiert werden sollen werden Deutschland und die EU gezwungen sein, sich nach alternativen Energiemöglichkeiten umzusehen. Die ohnehin forcierte Energiewende wird hierdurch zusätzlich beschleunigt werden. Davon könnte z.B. die Wasserstoffbranche profitieren.

Risiken

Ich sehe aus der aktuellen Situation folgende Risiken hervorgehen:

  • Rohstoffe und Nahrungsmittel, die in nicht unerheblichen Umfang aus Russland und der Ukraine importiert wurden, verteuerten sich deutlich. Es ist davon auszugehen, dass diese Produkte zusätzlich mit Risikoaufschlägen gehandelt werden, solange die Lage unsicher bleibt. Dies wird die ohnehin schon hohe Inflation weiter hoch halten, wenn nicht sogar weiter ansteigen lassen. In letzter Konsequenz kann dies zu einer Stagflation führen.
  • Die ohnehin schon langen Lieferketten können sich weiter verzögern, da Russland und die Ukraine nicht mehr als Exporteure zur Verfügung stehen.
  • Zinsen: bislang wurde davon ausgegangen, dass die Zinsen in der Eurozone und insbesondere in den USA in diesem Jahr angehoben werden. Die Notenbanken könnten diesen Prozess nicht im zuerst angedachten Ausmaß durchführen bzw. die Zinsen über einen längeren als geplanten Zeitraum anheben.
  • Die Volatilität an den Kapitalmärkten wird – so lange die Lage unklar ist – hoch bleiben, und stark von Schlagzeilen getrieben werden. Rücksetzer an den Börsen sind jederzeit möglich.
  • Cyberangriffe werden das Kriegsfeld auch in die EU und die USA tragen. Besonders gefährdet ist die kritische Infrastruktur (z.B. Wasser- und Stromversorgung)

Handlungsoptionen

Vorsicht ist natürlich angesagt, aber es ergeben sich durchaus auch Chancen an den Kapitalmärkten:

  • “Politische Börsen haben kurze Beine”. Wie in der historischen Betrachtung aufgezeigt, haben sich die Aktienmärkte bei militärischen relativ schnell wieder erholt. So schrecklich die humanitäre Situation für die betroffenen Menschen ist – gesamtwirtschaftlich betrachtet sind sowohl Russland als auch die Ukraine keine großen Player in der Weltwirtschaft.
  • Gold gilt in solchen Krisensituation als sicherer Hafen und sollte, unabhängig davon, zwischen 5% und 10% des Gesamtvermögens in jedem gut diversifizierten Portfolio enthalten sein.
  • Bei Aktienengagements empfiehlt sich:
    • Investments (grundsätzlich) nicht in einem Betrag tätigen, Sparpläne nutzen, Rücksetzer für taktische Käufe nutzen
    • Anlagezertifikate mit hohen Sicherheitspuffern nutzen. Aufgrund der gestiegenen Zinsen und der hohen Volatilität bieten diese Produkte momentan interessante Möglichkeiten.
    • Vorsicht bei osteuropäischen – und insbesondere russischen – Wertpapieren
    • Besser Value- als Growth-Aktien
    • Anbieter alternativer Energien, z.B. Wasserstoff, könnten profitieren

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Unternehmen aus der EU in der Lage sind, durch ihre Produkte und Dienstleistungen fehlende Importe kompensieren können. Hier habe ich mehrere Favoriten, die ich meinen Kunden gerne in einem persönlichen Gespräch aufzeige.

Fazit

Die Situation für die Menschen in der Ukraine ist schrecklich. Ich hoffe, dass sie die Situation bestmöglich und vor allem unbeschadet überstehen und sich die russischen Aggressionen einstellen. Für die Menschen in der EU und speziell für Kapitalanleger wird dieser Krieg auch mittel- und langfristig Veränderungen bedeuten. Gerne unterstütze ich Sie dabei, hieraus eine Strategie zum Schutz Ihres Vermögens zu erarbeiten.

Geldanlage für Kinder

In diesem Blogartikel finden Sie alles, was für die Geldanlage von Kindern wichtig ist, z.B.

  • Renditevergleich zwischen den unterschiedlichen Produkten
  • Link zur Aufzeichnung meines Online-Vortrags am 22.06.2021 Geldanlage für Kinder
  • Vergleich der Produkte zur Geldanlage für Kinder (Whitepaper zum Download)
  • Passende Banken und Versicherungen
  • Was ist besser: Geld auf den Namen des Kindes oder den eigenen anlegen?
  • Tipps zur Geldanlage

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Kehrt die Inflation zurück?

Anstieg Inflation

Die Inflation ist in Deutschland im Januar deutlich angestiegen

Seit der Einführung des Euros hat die Inflationsrate im Januar ihren stärksten Anstieg hingelegt. Besteht nun die Gefahr, dass die Preise – und auch die Zinsen – weiter steigen? Dieses Thema mit möglichen Auswirkungen für Ihr Vermögen werde ich heute näher vorstellen.

EZB lässt Notenpressen weiter laufen

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die EZB und andere große internationale Zentralbanken die Notenpressen auf Höchsttouren laufen lassen und damit die Kapitalmärkte massiv mit Geld geflutet. Die Bilanz der EZB ist hierdurch um 50%, die der US-amerikanischen FED um über 75% gewachsen. Diese extreme Ausweitung der Geldmenge ruft Befürchtungen auf den Plan, dass die Inflationsrate in die Höhe schnellt.

Im Januar haben sich diese Bedenken bewahrheitet: die Inflationsrate stieg von -0,3% im Dezember 2020 auf +1,0% im Januar 2021 an. Dieser Wert wird dabei immer mit jenem vor 12 Monaten – und damit vor der Pandemie – verglichen. Hierauf zahlte z.B. der Wegfall der Mehrwertsteuersenkung und die Einführung der CO2-Abgabe ein. Bleibt der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau, wäre dies im April (wieder verglichen mit dem Vorjahresmonat) eine Preissteigerung um 125%. Durch diese und auch andere Faktoren ist eine Inflationsrate von 3% in Deutschland in 2021 durchaus realistisch.

Ich denke nicht, dass die EZB auf diese einmaligen Effekte in besonderer Weise reagieren wird. Schließlich steckt Deutschland und die gesamte Eurozone in der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Durch eine Zinserhöhung (was das übliche Hausmittel auf eine steigende Inflation ist) würde die sich erholende Wirtschaft sofort wieder abgewürgt werden. Obendrein kämpfen Italien und andere Euro-Länder mit einer immensen Staatsverschuldung. Steigende Zinsen würden deren Haushalte so stark belasten, dass eine (oder mehrere) Staatspleiten nicht mehr anwendbar wären. Diese hätte weitaus verheerendere Folgen für uns alle als die griechische Staatsschuldenkrise vor 10 Jahren.


Haben Sie Fragen zu den Auswirkungen der Inflation auf Ihr Vermögen? Ich berate Sie gerne!


Demographischer Wandel könnte langfristig für höhere Inflation sorgen

Langfristig ist die Rückkehr von dauerhaft höheren Inflationsraten aber durchaus vorstellbar. Experten halten es für möglich, dass der demographische Wandel dazu beiträgt. Bekanntlich steigt die Lebenserwartung immer weiter an, gleichzeitig führen weniger Geburten zu einer sinkenden Bevölkerungszahl. Dies führt dazu, dass immer mehr Menschen länger im Ruhestand leben und gleichzeitig weniger Jüngere als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht bedeutet dies sinkende Produktion bei fast gleichbleibender Nachfrage, woraus eine höhere Inflationsrate entstehen kann.

Auswirkungen für die Kapitalmärkte

Die Zinsen sind in den letzten Wochen – parallel zur Inflationsrate – angestiegen. So warf die, oft als Referenzzinssatz genannte, 10jährige deutsche Bundesanleihe im Dezember noch eine “Rendite” von -0,64% ab, aktuell steht dieser Wert bei -0,28%. Weitere Steigerungen der Renditen an den Anleihemärkten sind in diesem unruhigen Umfeld durchaus möglich. Ich halte es aber kurzfristig für unrealistisch, dass dies von den Notenbanken durch Anhebung der Leitzinssätze noch weiter befeuert wird. Dies könnte ich mir nur vorstellen, sollte die Inflation zumindest mittelfristig auf dem aktuellen Niveau verbleiben.

Immobilienfinanzierer müssen folglich aktuell etwas mehr für neue Kredite bezahlen. Trotzdem sind die Zinssätze für Baufinanzierungen nach wie vor historisch niedrig. Wer sich über eine ansteigende Inflation sorgt, sollte anstehende Darlehensverlängerungen nicht auf die lange Bank schieben sondern das Thema zeitnah angehen. Dies macht bei auslaufenden Zinsbindungen von bis in 36 Monaten Sinn.

Die Aktienmärkte reagierten auf den Anstieg der Preisrate Ende Januar verschnupft und verloren z.T. 5%, erholten sich mittlerweile wieder rund um das Allzeithoch. Schließlich zählen Aktien – ähnlich wie Immobilien und Edelmetalle – als Sachwerte zu den besten Investments als Inflationsschutz. Es kann bedingt durch diese hohen Kurse zwar immer wieder zu Rücksetzern kommen, langfristig gibt es aktuell jedoch wenig Alternativen zu den Dividendentiteln.

Corona-Virus lässt Börsen zittern

Aktienmärkte verlieren deutlich

Die weltweite Corona-Pandemie lässt die internationalen Börsen in die Tiefe rauschen. So verlor der deutsche DAX30 knapp 2.000 Punkte oder fast 15% seines Wertes binnen Wochenfrist. Dies ist der höchste Verlust seit der Griechenland-Krise im Jahr 2011. Der Euro Stoxx 50 – die 50 größten europäischen Dividendentitel – sind mit einem Verlust von knapp 14% seit letztem Freitag ebenfalls tiefrot. Der Blick in die USA oder Asien zeigen ähnlich dramatische Bilder.
Der amerikanische Anleihenmarkt zeigt neue Niedrigzinsen in noch nie dagewesene Dimension. So bietet die 10jährige US-Staatsanleihe nur noch einen Zins von 1,35% p.a. Dies spiegelt nicht unbedingt die Aussagen von US-Präsident Trump wieder, der die amerikanische Wirtschaft als sehr stabil ansieht. In Europa zeichnet sich bei den Zinsmärkten ein ähnliches Bild ab. Trotz Negativzinsen kaufen Anleger schon seit gut zwei Wochen wieder verstärkt deutsche Bundesanleihen. Die 10-jährige Bundesanleihe weist aktuell eine Negativrendite von -0,56% aus, vor 14 Tagen waren dies noch -0,39% gewesen. Selbst das klamme Griechenland bezahlt für Anleihen mit gleichen Laufzeit nur noch 1,20% Rendite (11.02.2020: 1,62%).
Gold verteuert sich bereits seit Dezember um gut 12%. In den letzten Tagen gab es hier jedoch einige kleinere Gewinnmitnahmen. Silber hingegen verzeichnet im gleichen Zeitraum nur ein Plus von 4%, das Edelmetall gab in dieser Woche deutlich nach, was auf eine sinkende industrielle Nachfrage eben aufgrund der Corona-Pandemie zurückzuführen ist.

Wirtschaftlicher Hintergrund

Die Börsen nehmen vermutete wirtschaftliche Entwicklungen vorweg und reagieren mit entsprechenden Kursbewegungen. Durch die immer stärkere Ausbreitung des Corona-Virus reagieren Staaten und Unternehmen zunehmend mit Vorsichtsmaßnahmen. Dies zeigt sich daran, dass ganzen Ortschaften unter Quarantäne gestellt werden, Unternehmen die Produktion einstellen oder Geschäftsreisen verbieten, Messen werden abgesagt oder Produktions-wichtige Wirtschaftsgüter werden nicht mehr transportiert.

Dies alles wird das Wirschaftswachstums schwächen, womöglich sogar zu einem Rückgang führen. In Kombination damit, dass die wirtschaftliche Situation – nach über 10 starken Jahren des Wachstums – ohnehin schon angeschlagen ist und immer mehr Zeichen auf Rezession stehen. Ich hatte hierauf schon mehrfach hingewiesen. Die Aktien- und Anleihenmärkte kannten in der letzten Dekade nur noch eine Richtung – nach oben. Diese Steigerungen standen schon lange nicht mehr im Einklang mit der volkswirtschaftlichen Situation. Zumindest bei Aktien ist das Corona-Virus nun die Nadel, die den aufgeblähten Ballon zum platzen bringt.

Was bedeutet dies für Ihre Finanzen?

Solch heftige Kursrückgänge haben wir seit der Griechenland-Krise nicht mehr gesehen. Die Medien berichten intensiv über die Situation, Anleger sind zunehmend verunsichert. Sehen wir uns an, wie sich dies auf die einzelnen Anlageklassen auswirken kann:

Aktien

Langfristig betrachtet sind Aktien die ertragreichste Anlageform, die aber – wie aktuell zu sehen – mit hohen Schwankungen verbunden sein können. Wer freie Liquidität, sowie die nötige Risikobereitschaft und -tragfähigkeit hat, kann die Kursrückgänge nutzen, um in kleineren Tranchen günstiger nachzukaufen. Auf keinen Fall jedoch mit größeren Summen, da aufgrund einer möglichen Rezession noch mit weiteren Rücksetzern gerechnet werden muss. Meine Kunden und Leser wissen, dass ich ein großer Fan von Sparplänen bin (auch bei größeren Anlagebeträgen). Bei diesem langfristigen Vermögensaufbau stellt sich nicht die Frage nach dem günstigsten Einstiegskurs. Sie kaufen regelmäßig und nutzen so auch Kursrückgänge um billig nachzukaufen. Investieren Sie in Qualitätsaktien mit guter Dividendenrendite – zum Beispiel über günstige Exchange Traded Funds (“ETFs”).

Anleihen

Fast schon irrational ist die Tatsache, dass bereits negativ verzinste Staatsanleihen weiterhin verstärkt gekauft werden. Daran ist auch die Angst der Anleger vor einem noch schlimmeren Szenario klar abzulesen. Da immer mehr Banken auch Privatanlegern Negativzinsen verrechnen, werden z.B. Bundesanleihen als das kleinere Übel angesehen. Ich habe schon mehrfach darüber berichtet, dass hierdurch auch Negativverzinsungen auf Konten von über -1% oder -2% üblich werden können.

Ich warne ausdrücklich wiederholt vor Unternehmensanleihen schlechterer Bonität. Diese wurden in den letzten Jahren – auch aus Alternativlosigkeit an einigermaßen erträglichen Anlagen – massiv von Banken verkauft. Auch in Deutschland gibt es “Zombie-Unternehmen”, die aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten in einem normalen Zinsumfeld schon längst Pleite wären. Das billige Geld hilft ihnen (wie auch vielen Staaten) zu überleben. Sollte nun jedoch eine Rezession einsetzen, können diese Unternehmen womöglich auch nicht mehr durch die massiven Anleihen-Kauf-Programme der Europäischen Zentralbank gerettet werden.

Währungen

Ich stehe dem Euro aufgrund der hohen Staatsverschuldungen skeptischer denn je gegenüber. Daher ist es empfehlungswert auch in Währungen von Staaten zu investieren, deren Schulden deutlich niedriger und auf einem wirtschaftlich gesunden Niveau sind. Hierzu zähle ich die norwegische Krone, den Neuseeland-Dollar oder auch den Schweizer Franken. Aber Achtung: auch diese Währungen können an Wert verlieren, mischen Sie Fremdwährungsanlagen deshalb nur selektiv bei!

Immobilien

Meiner Meinung nach können sich die starken Preisanstiege der letzten Jahre nicht dauerhaft fortsetzen, Immobilienmärkte wie z.B. München sind für mich deutlich überhitzt. Im Falle einer Rezession kann es passieren, dass Menschen arbeitslos werden und deshalb Ihre Immobiliendarlehen nicht mehr zurückzahlen können (siehe mein Artikel vom 15.11.19). In diesem Fall wird die Bank das Haus oder die Wohnung verkaufen lassen, um mit dem Erlös den Kredit zu tilgen. Sollte dies in mehreren Fällen vorkommen, kann dies zu einem Preisrückgang führen. Im Extremfall droht ein Szenario wie 2007 in den USA, was letztendlich zur weltweiten Finanzkrise geführt hat.

Eine relativ sichere Anlage mit breiter Risikostreuung stellen für mich offene Immobilienfonds dar, die ohne große Wertschwankungen zumeist Rendite von 2% bis 3% p.a. erzielt haben.

Bei welchem Institut soll ich mein Geld anlegen?

Achten Sie weiterhin darauf, Ihre Kapitalanlage nur bei wirtschaftlich starken Banken oder Versicherung zu führen. Bleiben Sie nicht aus Bequemlichkeit bei Ihren bisherigen Produkten sondern hinterfragen Sie regelmäßig, welche Anlage die richtige für Sie ist. Als “sicherer Hafen” empfehle ich Banken oder Versicherungen aus der Schweiz und aus Liechtenstein. Viele Institute stehen dort – genau so wie die beiden Staaten – wirtschaftlich stabiler als heimische Anbieter.

Fazit

“Keep calm and carry on” – dieser oft verwendete britische Spruch aus dem 2. Weltkrieg hat nichts an Bedeutung verloren. Wir durchleben eine kritische Phase, was jedoch regelmäßig vorkommt. Der deutliche Rückgang an den Aktienmärkten war längst überfällig und ist – langfristig betrachtet – eine Möglichkeit, günstiger zu investieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Corona-Virus weiter ausbreitet und welche Auswirkungen für die Wirtschaft daraus erfolgen. Solche Krisensituation wird es immer wieder geben. Bleiben Sie daher aufmerksam und entwickeln Sie eine für Ihre Situation angemessene Strategie zum Schutz Ihres Vermögens.

Als freier und unabhängiger Finanzberater bin ich gerne Ihr Ansprechpartner und berate Sie in allen Fragen rund um das Thema Geld. Probieren Sie es doch einmal aus und kommen Sie auf eine Tasse Kaffee oder Tee zu einem für Sie unverbindlichen Kennlerngespräch in meine Finanzboutique. Ich freue mich auf Sie! Oder kommen Sie zu einem meiner Vorträge in den nächsten Wochen – ich werde dabei speziell auf die aktuelle Situation eingehen.

 

 

 

 

 

China im Ausnahmezustand – Brechen die globalen Lieferketten bald zusammen?

Ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft steht still und die weltweiten Lieferketten drohen abzureißen. Das Coronavirus breitet sich bis dato weiter exponentiell aus und langsam stellt sich nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch wann das Virus die Blasenmärkte anstechen wird. Offiziell sollen sich weltweit 37.592 Menschen mit dem Virus infiziert haben und 814 sollen daran gestorben sein.

Versehentlich geleakte Zahlen seitens der Regierung zeigten vor einer Woche, dass die Infektionen und Tode etwa zehnmal höher sind, als sie offiziell ausgewiesen werden. Dieses Regierungs-Leak passt zu den Insiderinformationen des bekannten chinesischen Milliardärs und Regimeflüchtlings Guo Wengui. So sollen bereits 1,5 Millionen Menschen positiv auf den Virus getestet und 50.000 an dem Virus verstorben sein. Allein in Wuhan wären in den letzten 17 Tagen täglich 1.200 Leichen eingeäschert worden. Dies würde erklären, warum die chinesische Quarantänezone über das Wochenende auf 400 Millionen Chinesen ausgeweitet wurde, womit fast ein Drittel Chinas aktuell unter Hausarrest steht und die Wirtschaft in diesem riesigen Gebiet zum Stillstand gekommen ist. Viele Familien ohne Rücklagen und Vorräte leiden unter dieser Quarantäne, weshalb das Regime Unruhen fürchtet und alles daransetzt, den Ausbruch einzudämmen.

Einige internationale Konzerne planten in der kommenden Woche ihre Produktion wieder hochzufahren, doch ist dies nach der neuerlichen Eskalation äußerst fraglich. Das Industriezentrum Shenzhen sowie sieben der acht größten Häfen Chinas wurden abgeriegelt, womit die weltweiten Liefer- und Wertschöpfungsketten zum Erliegen kommen werden, wenn die Produktion nicht bald wieder aufgenommen werden kann. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner mit 5.000 Unternehmen vor Ort und drittwichtigster Exportmarkt. Viele deutsche Unternehmen sind auf die Produkte und Halbfertigerzeugnisse aus China angewiesen. Ohne diese Erzeugnisse stehen die Bänder still und wir importieren die Rezession nach Deutschland. Zwei Drittel der Lieferketten von China nach Japan sind bereits abgebrochen. Mit Fiat-Chrysler erwägt der erste Autohersteller die Produktion in ganz Europa wegen fehlender Teile zu stoppen. Die weltweiten Frachtraten waren zuletzt wegen der Konjunkturabkühlung bereits eingebrochen, doch das Virus könnte den Welthandel jetzt zusätzlich massiv treffen.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt produziert mittlerweile 17 % der Weltwirtschaftsleistung, während es zu Zeiten der Sars-Epidemie nur 4 % waren. JP Morgan hat die Wachstumsprognose Chinas für das erste Quartal von 6,3 % auf 1 % reduziert, doch angesichts der neuerlichen Eskalation wird die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal sehr wahrscheinlich schrumpfen. Gelingt die Eindämmung des Virus, dann ist im zweiten Quartal ein Nachholeffekt und eine Normalisierung des internationalen Handels zu erwarten. Entwickelt sich der Ausbruch hingegen zur Pandemie, dann wird das Coronavirus eine weltweite Rezession und Stagflation auslösen.

Das Coronavirus stellt SARS bei weitem in den Schatten und ist mehr mit der Spanischen Grippe von 1918 zu vergleichen. Im Skiort Les Contamines-Montjoie in den französischen Alpen sind fünf weitere Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt worden. Aufgrund der langen Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen ist es wahrscheinlich, dass sich das Virus der fünf Urlauber aus England dort verbreitet hat, weshalb die Situation heikel ist. In Hong Kong hat sich eine neunköpfige Familie mit dem Virus infiziert, nachdem sie sich ein Barbecue Essen geteilt hatten, was die Übertragungswege infrage stellt. In Deutschland wurde nun festgestellt, dass das Virus bis zu neun Tage auf feuchtkalten Oberflächen überleben kann, was eine weitere Übertragungsgefahr darstellt.

Im besten Fall wird der Ausbruch mindestens mittelfristig deutliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Im schlimmsten Fall wird das Virus die Blasen anstechen und eine weltweite Rezession auslösen, worauf die Notenbanken die Märkte mit Liquidität fluten werden. Peking unternimmt aktuell alles in seiner Macht Stehende, um die Aktienmärkte künstlich zu stützen und so einen Zusammenbruch des „Vermögenseffekts“ und der Anlegerstimmung zu vermeiden, was sonst eine Rezession befeuern würde. Chinas Notenbank injiziert bereits Rekordliquiditätsspritzen und die anderen Notenbanken werden ihre QE-Programme ausweiten oder neue auflegen, sobald der Zusammenbruch der Lieferketten die Rezession im Westen erzwingt.

In Europa und in den USA wird das Virus heruntergespielt. Die Desinformationskampagne läuft auf Hochtouren, um Panik in der Bevölkerung zu vermeiden, was den Regierungen Zeit zum Handeln gibt und die Märkte stützt. 400 Millionen Menschen unter Quarantäne und ein Abbruch der Lieferketten kündigen einen globalen Schock an, weshalb man sich jetzt richtig an den Märkten positionieren muss und für den Worst Case vorsorgen sollte, falls es auch bei uns zu Quarantänezonen kommen sollte. Selbst im Best Case Szenario werden die Notenbanken mit dem Drucken von Geld reagieren müssen und im Worst Case Szenario noch viel mehr Papiergeld drucken. Dies wird allen voran den Gold- und den Silberpreis diametral gegensätzlich zur Abwertung der Fiat-Währungen steigen lassen.

Ein Gastkommentar von Markus Blaschzok – dem Chefökonomen unseres Edelmetall-Partners SOLIT (11.02.2020)

EZB-Chef Draghi hinterlässt ein Desaster

Mario Draghi ist der erste EZB-Chef, der nie die Zinsen angehoben, sondern sie stattdessen immer tiefer in den Strafzinsbereich gedrückt hat. Unter seiner designierten Nachfolgerin Christine Lagarde dürfte alles noch viel schlimmer werden, während die Fed dem „Vorbild“ der EZB folgen dürfte. Daher verbessern sich die ohnehin Aussichten für Gold und andere Edelmetalle immer weiter.

Brexit-Drama und kein Ende: Nachdem das britische Parlament am vergangenen Samstag, den 19.10.2019, die Entscheidung über das neue EU-Austrittsabkommen verschoben hat, bis das Gesetz zur Ratifizierung des Vertrags unter Dach und Fach ist, hat Premierminister Boris Johnson zähneknirschend bei der EU eine Verschiebung des Brexit-Termins beantragen müssen. Die Maßnahmen des Parlaments sind mehr als nachvollziehbar, befürchtet es doch zu Recht, dass Johnson weiterhin einen ungeregelten Brexit anstreben dürfte.

Johnson will sich weiterhin für einen pünktlichen Brexit zum 31. Oktober einsetzen und daher in dieser Woche das Gesetz zur Ratifizierung des Abkommens einbringen, es könnte innerhalb weniger Tage die entscheidenden parlamentarischen Hürden nehmen. Trotz der anhaltenden Unsicherheit steigen allerdings die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen zum Start in die neue Woche bis auf knapp unter 1,8 Prozent. Dennoch ist der Goldpreis mit knapp 1.500 Dollar je Unze stabil.

Mini-Deal wird für keine Belebung der Weltwirtschaft sorgen

Ein noch viel größeres Problem für die Weltwirtschaft als der Brexit bleibt allerdings der Handelskrieg zwischen den USA und China. Entgegen der Behauptung von US-Präsident Donald Trump hat er zuletzt keinen „substanziellen Phase-1-Deal“, sondern nur einen Mini-Deal mit China geschlossen. Daher haben viele Experten unisono geschrieben, dass sich in dem unsicheren Umfeld die weltweiten Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurückhalten dürften, weshalb das Risiko einer weltweiten Rezession von Tag zu Tag zunimmt. Sie liegt vor, wenn das Wachstum der Weltwirtschaft auf weniger als zwei Prozent zurückgeht.

Entsprechend trüben sich damit auch die Perspektiven für die US-Wirtschaft immer weiter ein – wie soll es auch anders sein? Wenn der Rest der Weltwirtschaft schwach ist, dämpft das unweigerlich die Nachfrage nach US-Produkten. Umso wichtiger sind daher die weiteren Maßnahmen der US-Notenbank.

Sie hat am 15. Oktober ein neues massives Gelddruckprogramm gestartet, während es für viele Investoren ausgemachte Sache ist, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 30. Oktober die Zinsen erneut um 25 Basispunkte auf dann 1,5 bis 1,75 Prozent senken dürfte. Das wäre die dritte Reduktion innerhalb von lediglich drei Monaten – und das, obwohl die Wirtschaft laut Fed-Chef Jay Powell angeblich „solide“ läuft.

Zinsen für zehnjährige US-Anleihen im Auge behalten

Demnach kauft die Fed für 60 Mrd. Dollar pro Monat sogenannte T-Bills, also Staatsanleihen mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr. Um es klar zu sagen: Das ist einmal mehr nichts anderes als die Monetarisierung von Staatsschulden, die Fed finanziert also die Schuldensause mit der Notenpresse. Durch das massive Gelddrucken will die Fed einen deutlichen Zinsanstieg verhindern. Er wäre angesichts einer explodierenden Staatsverschuldung von rund 1,5 Billionen Dollar pro Jahr bei einem ohnehin riesigen Schuldenberg von zuletzt rekordhohen 22,9 Billionen Dollar – das sind horrende 107,3 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – mehr als gerechtfertigt.

Bislang gehen Investoren davon aus, dass die bevorstehende Geldschwemme ebenso wie die vorherigen drei QE-Gelddruckrunden die US-Wirtschaft ankurbeln könnte, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auch diesmal steigen und damit eine Belebung der US-Wirtschaft widerspiegeln sollen. Umso wichtiger ist es, die Zinsen genau im Auge zu behalten. Weil es diesmal im Gegensatz zu den früheren QE-Gelddruckrunden aber einen Handelskrieg gibt, dürfte es trotz der neuen Dollar-Schwemme zu keiner Belebung der US-Wirtschaft kommen, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen schon bald kräftig nach unten drehen und die Rekordtiefs in Angriff nehmen sollten. Das dürfte für kräftigen Verkaufsdruck bei S&P500 und DAX sorgen.

Allerdings wäre das ein noch besseres Umfeld für Gold, weil die sinkenden Zinsen in den USA auch jene im Rest der Welt nach unten drücken sollten. Dabei würde das Volumen weltweiter Anleihen mit Strafzinsen von zuletzt umgerechnet rund 14 Billionen Dollar in Richtung des Rekordhochs von 17 Billionen steigen. Umso wichtiger ist daher der Besitz von physischem Gold, denn damit kann man Strafzinsen umgehen. Hierzu bieten sich der Sicherkauf zum direkten Bezug von Edelmetallen sowie das Edelmetalldepot zur Verwahrung im Zollfreilager in der Schweiz an. Letztere Variante ist ebenfalls als Sparplan erhältlich.

Draghi hinterlässt ein verheerendes Erbe

Ein noch viel schlimmer Gelddrucker als die Fed ist EZB-Chef Mario Draghi, was zu Recht für Wut und Verzweiflung bei den deutschen Sparern sorgt. Unter seiner achtjährigen Ägide ist durch das gigantische Gelddrucken und die mehrjährigen Kredite an die angeschlagenen Banken die Bilanzsumme der EZB auf den Rekord von 4,7 Billionen Euro explodiert – das sind horrende 40,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Eurozone, im Vergleich zu „nur“ 18,5 Prozent für die Fed.

Durch Draghis Strafzinsen wird unser Finanz- und Wirtschaftssystem völlig ad absurdum geführt. Strafzinsen bedeuten, dass Geld keinen Wert hat – welcher Irrwitz! Der einzige Sinn des jahrelangen Gelddruckens der EZB war es, ist es und wird es künftig sein, die Zinsen für hochverschuldete Staaten wie Italien und Griechenland, aber auch Frankreich und Spanien, in den Keller zu drücken und so die dortige Schuldensause am Laufen zu halten.

Die Folge dieser Politik: Zuletzt lagen die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen mit knapp unter 1,0 Prozent in der Nähe des Rekordtiefs, obwohl die Schulden mit horrenden 138 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung auf das höchste Niveau seit 1924 gestiegen sind. In dem Umfeld sind die Zinsen für zehnjährige griechische Anleihen zuletzt auf das Rekordtief von 1,3 Prozent zurückgegangen – unglaublich! Zuletzt hat Draghi einmal mehr gefordert, dass die Länder der Eurozone Fiskalprogramme auflegen sollten – also noch mehr Schulden als ohnehin machen sollten – um die Wirtschaft anzukurbeln. Welcher Irrwitz! Das gigantische Problem der viel zu hohen Schulden soll „gelöst“ werden, indem die Länder noch mehr Schulden machen.

Am Ende werden sie allerdings einmal mehr nur ein konjunkturelles Strohfeuer auslösen, vielmehr werden die Schulden nicht nur nominell, sondern auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung höher sein als zuvor. Daher müssen die Strafzinsen anschließend noch tiefer in den Keller gedrückt werden, um zu verhindern, dass das gigantische Schuldenhaus zusammenbricht.

Lagarde wird für noch mehr Strafzinsen sorgen

Mancher Sparer könnte sich daher glatt freuen, dass die nächste EZB-Sitzung am kommenden Donnerstag, 24. Oktober die letzte unter Draghis Führung sein wird, ehe er Anfang November von seiner designierten Nachfolgerin Christine Lagarde abgelöst wird. Das Problem ist, dass Lagarde ebenso wie Draghi eine Anhängerin von Strafzinsen ist und daher seine Politik in den nächsten Jahren konsequent fortsetzen dürfte.

Umso besser wird das Umfeld für Gold, zumal ich weiterhin der festen Überzeugung bin, dass die Fed in der nächsten Rezession ebenfalls Strafzinsen einführen dürfte und noch viel mehr Geld drucken wird als derzeit. Je mehr Strafzinsen es allerdings weltweit geben wird, umso unentbehrlicher wird der Besitz von physischem Gold sein. Jetzt ist die Zeit, um Ihre Goldbestände weiter aufzustocken.

Ein Gastbeitrag von Edmont Haig / Solit Gruppe.

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Bild von Florian Herfurth 

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